In Gold investieren: Wie liquide ist das Krisenmetall?

Goldwissen Arnulf Hinkel, Finanzjournalist – 31.03.2021

Erfahren Sie hier, weshalb Liquidität bei Gold gleich doppelt wichtig ist: beim Goldhandel ebenso wie in der Funktion des Edelmetalls als Anlagereserve.

Als Anleger ist Ihnen Liquidität sicher ein Begriff: Damit wird ausgedrückt, wie einfach, schnell und kostengünstig ein Finanzprodukt gehandelt werden kann. Wenn von „hochliquide“ die Rede ist, bedeutet dies, dass es zahlreiche Marktteilnehmer gibt, die ein bestimmtes Finanzprodukt handeln wollen, d.h. vielen potenziellen Käufern auch zahlreiche potenzielle Verkäufer gegenüberstehen. Dabei gilt: Je mehr Investoren ein Finanzprodukt handeln wollen, desto mehr nähern sich die gewünschten Kauf- und Verkaufspreise an. Die Handelsspanne, auch „Spread“ genannt, wird immer enger, wodurch die Transaktionskosten – Spread plus etwaige Gebühren oder weitere Kosten – günstiger werden. Das gilt für Aktien ebenso wie für Anleihen, Zertifikate, Fonds, ETCs – und natürlich Gold. Der Deutschen liebstes Edelmetall nimmt dabei eine Sonderrolle ein, denn es ist nicht nur sehr liquide handelbar, sondern stellt außerdem selbst die ultimative Liquiditätsreserve dar.  

Gold: das klassische Wohlstands- und Krisenmetall

In Volkswirtschaften mit hohem Wachstum und schnell steigenden Löhnen ist auch die Goldnachfrage hoch, gute Beispiele hierfür sind China und Indien. In Anlegerportfolios ist Gold über verschiedene Konjunkturzyklen hinweg als bewährtes Instrument zur Generierung langfristiger Erträge und als wichtiger Faktor zur Portfoliodiversifikation  beliebt: Wenn Aktienmärkte turbulente Phasen erleben oder sich Wirtschaftskrisen abzeichnen, entwickelt sich der Goldpreis oft gegenläufig zum Markt und kann auf diese Weise Anlegern als Portfoliostabilisator   wertvolle Dienste leisten. Außerdem ist Gold ein wertvoller Inflationsschutz und Wertspeicher. 

Setzten während der Finanzkrise 2008/2009 noch viele Anleger auf Währungen wie den US-Dollar, hat sich dies in den letzten Jahren geändert, wie die weltweit extrem hohe Goldnachfrage 2019 während des US-chinesischen Handelskrieges und – noch stärker – 2020 während der Corona-Pandemie belegt. Denn Gold als eines der ältesten Zahlungsmittel ist auch die härteste Währung der Welt. Wenn man die Kaufkraftentwicklung von Gold von 2000 bis 2020 mit wichtigen Währungen wie dem US-Dollar oder dem Euro vergleicht, hat die europäische Gemeinschaftswährung gegenüber Gold fast 81 Prozent an Wert verloren, der US-Dollar sogar 82 Prozent. Kein Wunder also, dass Gold als überlegene Liquiditätsreserve gilt.

Wie liquide ist Gold als Liquiditätsreserve? 

Um eine Liquiditätsreserve oder auch Anlagereserve im Krisenfall nutzen zu können, muss sie „flüssig“ gemacht werden. Hier ist es von großer Bedeutung, dass beim Verkauf möglichst geringe Transaktionskosten entstehen, denn diese schmälern den Wert der Liquiditätsreserve. Dies gilt insbesondere für Gold, denn das Edelmetall wirft weder Zinsen noch andere Renditen wie beispielsweise Dividenden ab. Gut, dass Gold zu den meistgehandelten Investments überhaupt zählt. Wie der World Gold Council in seiner Studie „Relevance of gold as a strategic asset 2021: European Edition” belegt, beträgt das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen von Gold weltweit 149,8 Mrd. €. Zum Vergleich: Der europäische Benchmark-Index EURO STOXX 50 kommt lediglich auf ein Handelsvolumen von 8,6 Mrd. €, und selbst die extrem liquide gehandelten Währungspaare Euro/Yen und Euro/Pfund Sterling bleiben mit 93,32 respektive 97 Mrd. € weit hinter dem Handel mit Gold zurück. Allein der Aktienindex S&P 500, der die 500 US-amerikanischen Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung umfasst, weist mit 186,16 Mrd. € ein noch höheres tagesdurchschnittliches Handelsvolumen aus.

Der Goldhandel ist so liquide, dass im Jahr 2020 täglich 88 Prozent der gesamten Jahresproduktion den Besitzer wechselten. Mehr Liquidität ist kaum möglich. Allerdings beziehen sich diese Zahlen gänzlich auf den Großhandel bzw. den Börsenhandel mit Gold. Für Privatanleger kann sich die Situation unter Umständen anders darstellen, nämlich, wenn sie physisches Gold beim Händler oder ihrer Hausbank kaufen wollen.

Physisches Gold: die flexibelste, aber auch teuerste Anlagereserve

© PantherMedia /strelok

Auf Goldbarren oder Goldmünzen können Privatanleger in extremen Krisenzeiten direkt zugreifen und halten so jederzeit eine Liquiditätsreserve außerhalb des Finanzsystems, was im Fall eines Systemcrashs ein entscheidender Vorteil sein kann. Allerdings hat diese ultimative Liquiditätsreserve einen hohen Preis: Von dem Vorteil der enormen Handelsvolumina von Gold profitieren Privatanleger nur bedingt, denn beim Kauf oder Verkauf von Gold beim Juwelier, Goldhändler oder einer Bank besteht nur wenig Preistransparenz. Anleger sollten selbstständig einen umfassenden Preisvergleich anstellen, sonst bezahlen sie unnötig viel für physisches Gold, denn hohe Spreads fressen sofort einen Teil des Goldwerts auf. Dazu kommt, dass als Vorbereitung für den Systemcrash relativ kleine Stückelungen – z.B. 10 Gramm oder eine Unze – empfehlenswert sind, obwohl sie mit deutlich höheren Transaktionskosten einhergehen, da sie sich leichter verkaufen oder tauschen lassen als Kilobarren. 

Ganz wichtig: Trotz möglicherweise deutlich günstigeren Angeboten im Internet sollte die Seriosität des Verkäufers oberste Priorität haben, sonst besteht die Gefahr, gefälschtes Gold zu kaufen. Ausschließlich zertifizierte Barren und Münzen sollten gekauft werden, das erleichtert auch den späteren Wiederverkauf, bei dem die Echtheit des Goldes belegt werden muss. Darüber hinaus enden die Kosten nicht mit dem Kauf: Barren und Münzen wollen einbruchs- bzw. diebstahlssicher aufbewahrt sein, was Investitionen in Sicherheitssysteme erforderlich macht. 

Alternativen: zentral gelagertes Gold oder Schließfach bei der Hausbank

Statt zuhause für Diebstahlssicherheit zu sorgen, können Privatanleger ihr physisches Gold auch der Hausbank anvertrauen. Allerdings entstehen auch dabei Kosten für die Miete des Schließfachs und eventuell auch für eine zusätzliche Diebstahlversicherung, denn auch Banken können ausgeraubt werden. 

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Direktanlage in zentral gelagertes Gold. Der Vorteil hierbei: Anleger können in der Regel rund um die Uhr Gold kaufen oder verkaufen, selbst am Wochenende. Allerdings haben sie keinen jederzeitigen Zugriff auf ihre Goldanlagen, womit deren Funktion als Liquiditätsreserve eingeschränkt ist. Dasselbe gilt für die Lagerung bei der Hausbank: Im Fall einer extremen Krise ist es möglicherweise schwer, an das Gold heranzukommen.

ETCs kommen einer Direktinvestition in Gold am nächsten

Von allen Wertpapieren, die indirekt auf Gold setzen, wie etwa Goldindizes, Goldaktien oder Goldzertifikate, entsprechen Gold-ETCs mit physischer Besicherung durch Goldbarren am ehesten einer Direktinvestition. Das gilt ganz besonders, wenn sie, wie z.B. Xetra-Gold, einen jederzeitigen Lieferanspruch von physischem Gold in Höhe des jeweiligen ETC-Investments verbriefen. Sogenannte Exchange-Traded Commodities – deutsch: börsengehandelte Rohstoffe – sind rechtlich gesehen Inhaberschuldverschreibungen, wodurch die ausgegebenen Anteile im Falle einer Insolvenz des Emittenten nicht versichert sind. Deshalb wird für jeden ETC-Anteil, der zum Handel ausgegeben wird, zur Sicherheit eine entsprechende Menge physischen Goldes gekauft und sicher verwahrt. Der große Vorteil von Gold-ETCs liegt in den extrem niedrigen Transaktionskosten beim Kauf oder Verkauf. Genauso liquide wie Blue Chips können Gold-ETCs an der Börse völlig transparent gehandelt werden. ETCs geben Anlegern die Möglichkeit, 1:1 an der Performance von Gold teilzuhaben, ohne eine kostspielige Direktinvestition in physisches Gold zu tätigen. 

Fazit: Unabhängigkeit vom Finanzsystem hat ihren Preis

Dem großen Vorteil der minimalen Transaktionskosten beim Handel von Gold-ETCs steht ein gewisser Nachteil gegenüber: Es sind Wertpapiere, und wer einen völligen Zusammenbruch des Finanzsystems fürchtet, wird sich mit Gold-ETCs nicht sicherer fühlen als mit einer Beteiligung an ETFs (börsengehandelten Fonds). Wer allerdings einen zuverlässigen Inflationsschutz und sicheren Hafen innerhalb eines funktionierenden Finanzsystems sucht, hat mit Gold-ETCs durchaus eine sichere und kostengünstige Alternative zu einer Direktinvestition in Gold. Anleger, die auf der Suche nach der ultimativen Anlagereserve für extremste Krisenzeiten sind, die sogar Finanzsysteme zusammenbrechen lassen, kommen um eine kostspielige Direktinvestition nicht herum.

Arnulf Hinkel
Finanzjournalist

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