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Die 5 größten Goldminen der Welt – und warum Recycling die Zukunft ist

Goldwissen Arnulf Hinkel, Finanzjournalist – 03.02.2023

Wie heißen die größten Goldminen der Welt? Wo liegen sie und wieviel fördern sie im Jahr? Und wie geht es mit der Goldgewinnung in Zeiten des Klimawandels weiter?

Obwohl bereits seit rund 5.000 Jahren Gold in Minen abgebaut wird, ist mehr als die Hälfte des bis heute insgesamt geförderten Goldes erst in den letzten 50 Jahren gewonnen worden. In den vergangenen zehn Jahren lag die Menge des geförderten Goldes permanent über 3.000 Tonnen pro Jahr. 2021 waren es 3.560,7 Tonnen – eine Menge, die bislang nur vom Rekordjahr 2018 übertroffen wurde, als 3.652,6 Tonnen des Edelmetalls gefördert wurden. 2007 hat China Südafrika vom ersten Platz der goldproduzierenden Länder abgelöst und ist seitdem mit Fördermengen von bis zu 400 Tonnen jährlich unangefochtener Weltmeister der Goldproduktion aus Minen. Doch wer jetzt annimmt, dass in China deshalb auch die ergiebigsten Goldminen betrieben werden, irrt. Nachfolgend eine Vorstellung der fünf größten Goldminen der Welt. 

Platz 5: Der Grasberg-Minenkomplex in Indonesien

In der indonesischen Provinz West-Neuguinea im Pazifischen Feuerring gelegen, zählt Grasberg mit 4270 Höhenmetern über dem Meeresspiegel zu den höchstgelegenen großen Minen der Welt. Bis vor einigen Jahren führte Grasberg sogar die Liste der ergiebigsten Goldminen weltweit an. Der Grasberg-Minenkomplex wird von dem Bergbau-Konzern Freeport McMoran Copper & Gold gemeinsam mit der indonesischen Regierung und dem Rio-Tinto-Konzern betrieben. Im Tage- und Untertagebau werden primär Kupfer abgebaut, Gold nur in zweiter Linie. Nichtsdestotrotz wurden 2020 in Grasberg 26,4 Tonnen Gold gefördert, was dem Minenkomplex den fünften Platz unter den ergiebigsten Goldminen sichert.

Gemessen an dem geschätzten verbliebenen Goldvorkommen in dieser Lagerstätte könnte die Platzierung unter den Top 5 durchaus noch lange gehalten oder sogar verbessert werden: Experten vermuten in der 1936 von dem niederländischen Geologen Jean-Jacques Dozy entdeckten Lagerstätte bis zu 880 Tonnen Gold, die in Zukunft noch abbaufähig sein könnten. Der Grasberg-Minenkomplex hat Indonesien Freud und Leid beschert: Einerseits ist der Bergbau-Konzern Freeport McMoran Copper & Gold der größte Steuerzahler Indonesiens, andererseits auch der größte Umweltsünder. Speziell beim Kupferabbau werden große Mengen an Umweltgiften freigesetzt, die besonders Wasserlebewesen schädigen. Der Konzern hält sich weder an indonesische noch US-amerikanische Umweltgesetze. Wegen der Schädigung der Flora und Fauna sowie aufgrund häufiger Konflikte mit der einheimischen Bevölkerung steht der Bergbau-Konzern in ständiger Kritik.

Platz 4: Pueblo Viejo in der Dominikanischen Republik

Rund 100 km von der dominikanischen Hauptstadt Santo Domingo in der Provinz Sanchez Ramirez gelegen, wird die Pueblo-Viejo-Mine seit 1975 professionell ausgebeutet und gilt als ergiebigste Goldmine Lateinamerikas. Die ersten Jahrzehnte wurde die im Tagebau betriebene Goldmine von dem dominikanischen Minenkonzern Rosario Dominicana geführt, der jedoch 1999 unter dem Preisdruck der damals schwächelnden Gold- und Silberpreise und aufgrund immer schwieriger werdender Förderbedingungen die Mine aufgeben musste. 13 Jahre lang lag die Goldmine still.

Den Zuschlag für die weitere Erschließung und Ausbeutung der Pueblo-Viejo-Mine erhielt 2012 ein Joint Venture der beiden größten Goldproduzenten der Welt: der kanadische Minenkonzern Barrick Gold mit 17.500 Mitarbeitern und einer Marktkapitalisierung von 36 Mrd. € sowie die US-amerikanische Newmont Goldcorp, die 16.400 Mitarbeiter beschäftigt und eine Marktkapitalisierung von 37,6 Mrd. € aufweist. Barrick Gold hält 60 Prozent der Minenanteile, die GoldCorp 40 Prozent. Die Fördermenge 2020 betrug 28 Tonnen Gold und 2021 waren es sogar 30,6 Tonnen. Dieses Volumen kann nur noch wenige Jahre aufrechterhalten werden: Wie der Geschäftsbericht von Barrick Gold im Jahr 2019 auswies, geht der Minenkonzern von knapp 186 Tonnen Gold aus, die aus heutiger Sicht noch wirtschaftlich vertretbar aus der Pueblo-Viejo-Mine gefördert werden können. 

Platz 3: Die Olimpiada-Mine in Russland

In Krasnoyarsk Krai im Mittleren Sibirien gelegen, stellt die Olimpiada-Goldmine die ergiebigste Mine des Betreibers Polyus dar, des mit Abstand größten russischen Minenkonzerns, der zu den fünf größten der Welt zählt. 2020 wurden dort gut 37 Tonnen Gold gewonnen, 2021 waren es sogar 43,2 Tonnen. Drei Raffinerien sind damit ausgelastet, das ausschließlich im Tagebau geförderte Gold der Olimpiada-Mine zu verarbeiten. Der Betreiber Polyus geht aktuell von gut 1.360 Tonnen Gold aus, die in Zukunft noch abbaufähig sein dürften. Damit würde die Olimpiada-Mine zu den Goldminen mit den höchsten Reserven zählen und dürfte noch lange in Betrieb bleiben.

Platz 2: Die Carlin-Goldmine in Nevada

Die 1965 in Betrieb genommene Carlin-Goldmine auf dem Gebiet des US-Bundesstaats Nevada stellte damals eine absolute Besonderheit dar – so speziell, dass sie zur Schöpfung der Kategorie „Carlin-Typ-Minen“ führte. Gemeint sind damit Goldminen, die – wie es in der Fachsprache heißt – sedimentit-gestützte hydrothermale disseminierte Gold-Pyrit-Imprägnations-Lagerstätten ausbeuten. Allgemeinverständlicher ausgedrückt, handelt es sich dabei um sogenannte „unsichtbare Goldvorkommen“, in denen die Partikel des Edelmetalls in karbonatisches Gestein gebunden und mikroskopisch klein sind. Diese Goldvorkommen sind vor allem in Nevada und Utah zu finden, weshalb die Bezeichnung „Carlin-Typ“ dort bald auf andere Goldminen in dieser Region angewendet wurde. 

Die ursprüngliche Carlin-Goldmine lieferte 2020 ganze 51 Tonnen Gold und 2021 mit 49,2 Tonnen nur etwas weniger. Die Goldmine wird sowohl im Tage- als auch im Untertagebau betrieben und hat eine Ausdehnung von rund 2.000 x 500 Metern. Der Besitzer der Goldmine, die Newport Mining Company, beziffert die Reserven der Carlin-Mine auf ca. 120 Tonnen, was angesichts der über 50-jährigen aktiven Laufzeit der Mine nicht überraschen kann. Auch wenn die Carlin-Mine in absehbarer Zeit ihren Betrieb einstellen sollte, geht der Goldabbau in der Region unvermindert weiter, denn zahlreiche Carlin-Typ-Minen liefern weiter Gold. Die beiden Minenkonzerne Newport Mining Company und Barrick Gold starteten deshalb 2019 ein Joint Venture, bei dem Barrick Gold mit einer Mehrheitsbeteiligung von 61,5 Prozent federführend die Goldförderung in Nevada weiterbetreibt.

Der durch dieses Joint Venture entstandene „Nevada Gold Complex“ umfasst neben der originalen Carlin-Goldmine auch die beiden Carlin-Typ-Goldminen „Goldstrike“ und „Cortez“. Zusammen stellen sie mit einem Output von 115,8 Tonnen im Jahr 2021 den ergiebigsten Minenkomplex der Welt dar. Da es sich jedoch um die kumulierte Förderung aus mehreren Goldminen handelt, hat der Nevada Gold Complex im Ranking der ergiebigsten Einzelminen keine Berechtigung.

Platz 1: Die Muruntau-Mine in Usbekistan

1967 in Betrieb genommen, liegt die Goldmine Muruntau rund 300 Kilometer westlich der usbekischen Hauptstadt Taschkent in der Kies- und Sandwüste Kysylkum in Usbekistan. Von der Entdeckung der Goldvorkommen 1958 bis zum Beginn des Abbaus, der seitdem ohne Unterbrechung stattfindet, vergingen neun Jahre. Gleich auf den ersten Blick fallen die enormen Ausmaße der im offenen Tagebau betriebenen Muruntau-Mine auf: Der durch die Förderung entstandene Krater hat einen Durchmesser von 3.500 x 2.500 Metern und ist rund 600 Meter tief. Diese ungewöhnlichen Ausmaße sind bedingt durch die Art der Goldvorkommen, die primär in konzentrierten Anreicherungen von Quarzgestein – sogenannten Gängen oder Adern – zu finden sind. 

Die Fördermenge der Muruntau-Mine betrug 2010 über 51 Tonnen und erhöhte sich bis 2020 auf mehr als 62 Tonnen. 2021 waren es mit 82 Tonnen noch einmal mehr. Die geschätzten Goldvorkommen, die – Stand Anfang 2022 – noch abbaufähig sind, belaufen sich auf rund 4.000 Tonnen, was der Muruntau-Mine auf absehbare Zeit noch einen Spitzenplatz im Ranking der ergiebigsten Goldminen der Welt sichern sollte. Diese Zahlen beruhen auf Angaben des staatlichen Betreibers, dem Navoi Mining & Metallurgy Kombinat. Die usbekische Regierung hat sich bezüglich der noch in der Mine verbleibenden Goldvorkommen in der Vergangenheit als nicht sehr transparent gezeigt.

Die Zukunft der klassischen Goldförderung in Minen

Bereits in ihrem Jahresbericht 2019 prognostizierte die Behörde US Geological Survey, dass bei einer anhaltend hohen Fördermenge wie über die letzten Jahre hinweg von rund 3.500 Tonnen die heute wirtschaftlich abbaubaren Goldvorkommen der Erde um das Jahr 2035 herum erschöpft sein könnten. Dabei sind natürlich Zukunftsentwicklungen wie effizientere technologische Verfahren nicht berücksichtigt, mit denen man Gold aus bislang unrentablen Vorkommen wie beispielsweise dem Meer gewinnen, bzw. die bestehende Minenförderung kostengünstiger gestalten könnte. Schließlich wird die klassische Minenförderung immer teurer: Allein von 2016 bis 2021 sind die sogenannten AISC – kurz für All-In Sustaining Costs – um 26 Prozent auf durchschnittlich 1.048 US$ pro Unze Feingold gestiegen.

Die AISC umfassen neben den operativen Kosten des Abbaus auch die administrativen Ausgaben und Steuern, den Kapitaleinsatz für die Erhaltung und Entwicklung einer Mine, ihre Kapitalkosten sowie die angefallenen Explorationskosten. Auch wenn die Höhe der von den Minengesellschaften veröffentlichten AISC von Jahr zu Jahr schwanken kann, ist ein klarer Aufwärtstrend unübersehbar – was auch logisch ist, denn zunächst werden bei neu erschlossenen Goldvorkommen die am einfachsten zu fördernden Bereiche ausgebeutet, um die erheblichen Explorationskosten möglichst schnell zu decken. Angesichts dieser Entwicklung gewinnt das Thema Recycling immer mehr an Bedeutung – aber auch im Hinblick auf eine andere aktuelle Entwicklung.

Minenförderung vs. Recycling im Zeichen des Klimawandels

Mit den weltweiten Bemühungen zur Verlangsamung des Klimawandels und zur Bewahrung der Umwelt gehen sinnvollerweise auch gesetzliche Restriktionen für die Goldgewinnung einher. Als aktuelles Beispiel dafür sei das Donlin Gold Project in Alaska genannt: 1988 entdeckt, wird in der gewaltigen Goldlagerstätte, in der rund 800 Tonnen des Edelmetalls vermutet werden, aus Gründen des Umweltschutzes bis heute kein Gold abgebaut. Speziell Befürchtungen bezüglich der möglichen Beeinträchtigung von Gewässern in der Umgebung, einem wichtigen Lebensraum für Wildlachse, haben das Genehmigungsverfahren immer wieder in die Länge gezogen. 

Generell ist der ökologische Fußabdruck, den die klassische Goldförderung in Minen hinterlässt, enorm. Allein der hohe CO2-Ausstoß spielt dabei eine große Rolle: Bei der Herstellung von einem Kilo Gold werden selbst unter dem Einsatz modernster, umweltverträglichster Technologien bis zu 16 Tonnen CO2 freigesetzt. Deshalb wird Recycling  – und hier besonders das bislang noch lange nicht ausgeschöpfte Urban Mining – immer wichtiger, denn bei der Goldgewinnung durch Recycling betragen die CO2-Emissionen im Vergleich zur traditionellen Goldgewinnung weniger als ein Zwanzigstel. Dies war auch der Hintergrund der Social-Media-Kampagne #GoldPhoneChallenge, den die Emittentin von Xetra-Gold, die Deutsche Börse Commodities GmbH, 2022 durchführte, um Urban Mining – die Rückgewinnung von Gold aus Elektroschrott – zu bewerben und zu fördern. Allein in Deutschland existieren rund 200 Millionen alte, ungenutzte Smartphones, die Gold und seltene Erden enthalten. Dies war jedoch nicht das einzige Motiv für die #GoldPhoneChallenge.

Menschenrechte und Arbeitsbedingungen spielen eine immer größere Rolle

Die Deutsche Börse Commodities legt nicht nur größten Wert darauf, dass die zur Absicherung der ausgegebenen Xetra-Gold-Anteile erworbenen Goldbarren möglichst aus Recycling-Gold gefertigt wurden – das Unternehmen setzt sich auch für eine lückenlose Nachverfolgbarkeit ein, wenn es darum geht, wo und unter welchen Bedingungen Gold gefördert wurde. Denn neben großen Goldminen wie den oben genannten gibt es unzählige Kleinstminen, in denen sogenanntes Artisanal Mining stattfindet. Sie liegen zum Teil in Konfliktregionen, in denen selbst grundlegende Menschen- und Arbeitsrechte nicht sichergestellt sind.

Zum Abschluss der #GoldPhoneChallenge hat die Deutsche Börse Commodities die Summe von 50.000 € an die in Deutschland ansässige Earthbeat Foundation gespendet, um unter anderem das Projekt „Heartbeat Honey“ zu unterstützen. Mit Hilfe der Earthbeat Foundation unterstützt das Projekt bis zu 3.500 betroffene Menschen dabei, künftig auf das gesundheitsschädliche Goldschürfen verzichten, um stattdessen fernab von umwelt- und gesundheitsbelastenden Minen durch die Gewinnung von „flüssigem Gold“ – hochwertigem Honig – ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

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