Mit diesen zwölf Metholden prüfen Sie die Echtheit von Gold

Goldwissen Arnulf Hinkel, Finanzjournalist – 19.10.2020

© PantherMedia /Elnur_

Gold gilt bereits seit ungefähr 2.600 Jahren als eine attraktive Anlageform. Damals wurde das wertvolle Edelmetall als standardisiertes Zahlungsmittel in Münzform eingeführt. Ungefähr genauso lange gibt es leider auch das brisante Thema Goldfälschungen. Das können beispielsweise Münzen oder Goldbarren sein, die entweder nur sehr wenig Gold enthalten oder zumindest von geringerer Reinheit sind als angegeben. Wird das Gold bei zertifizierten Edelmetallhändlern oder der Hausbank gekauft, muss man sich in aller Regel keine Gedanken über die Echtheit von Münzen oder Goldbarren machen. Handelt es sich allerdings um einen Schnäppchenkauf auf einer Auktionsplattform oder dem Spontankauf auf einem Basar im Urlaub, sollten Anleger genauer hinschauen und prüfen, wie echt ihre Investition nun wirklich ist. Für die Echtheitsprüfung von Münzen und Barren gibt es eine große Auswahl an Möglichkeiten – angefangen bei bewährten Hausmitteln, die jeder Goldbesitzer selbst mit geringem finanziellen Aufwand durchführen kann, bis hin zu Expertentests, die sowohl spezielles Knowhow als auch teure Prüfgeräte voraussetzen.  Wir zeigen Ihnen, welche Hausmittel sich bei der Echtheitsprüfung von Gold besonders bewähren und auf welche Methoden Sie sich verlassen können. So können peinliche und kostspielige Reinfälle, wie es einst einer Sparkasse wiederverfahren ist, vermieden werden: Das Geldhaus hatte ohne jede Prüfung scheinbar günstig falsche Goldbarren gekauft, die ein Verkäufer zuvor bei eBay erworben hatte. Das Manko dabei: Bereits bei eBay waren die Goldbarren als Attrappen gekennzeichnet gewesen. Das Gold auf Echtheit zu prüfen, macht daher oft Sinn und lohnt sich.

So testen Experten die Echtheit von Gold

Juweliere und Goldhändler verfügen über ein ganzes Arsenal an Prüfmethoden, die – speziell, wenn mehrere angewendet werden – zuverlässig die Spreu vom Weizen trennen können. Als beste Fälschungsart von Goldbarren gelten mit echtem Gold überzogene Barren aus Wolfram, das eine nahezu identische Dichte zu Gold aufweist. Doch selbst diese kann entlarvt werden. Für Privatanleger sind die Expertenmethoden allerdings entweder zu aufwändig oder die Gefahr einer Beschädigung des Barrens oder der Münze ist zu groß.  Zu empfehlen wäre daher ein Besuch beim Juwelier, der Ihnen mit folgenden Methoden bei der Prüfung von Gold weiterhelfen kann.

Überblick der Experten- und Hausmitteltests zur Echtheitsprüfung von Gold

ExpertentestsHausmitteltests
SäuretestAugenscheinprüfung
RöntgenfluoreszenzanalyseGrößen- und Gewichtsvergleich
UltraschallanalyseMagnettest
Analyse der elektrischen LeitfähigkeitKlangtest
Bullion DNA ReaderPrüfschablone
Wasserverdrängungstest
Vergleich der Zertifikate

Der Säuretest

In der Praxis dient der Säuretest primär zum Testen von Goldschmuck. Man kann aber genauso gut bei Münzen und Barren prüfen, ob man es tatsächlich mit echtem Gold in der angegebenen Reinheit zu tun hat. Für jeden Reinheitsgrad wird eine spezifische Prüfsäure genutzt, die auf den Prüfstrich geträufelt wird, der durch Reiben des Untersuchungsobjekts auf einem Prüfstein entstanden ist. Verblasst der Prüfstrich durch die Säure, liegt höchstwahrscheinlich eine Fälschung vor. Aber Achtung: Diese Methode der Echtheitsprüfung hat einen großen Nachteil. Sie testet nur die Oberfläche des Untersuchungsobjekts. Sollte ein Barren also mit echtem Gold ummantelt sein, innen aber aus einem anderen Material bestehen, kann man dies anhand des Säuretests nicht feststellen.

Echtheitsprüfung per Röntgenfluoreszenzanalyse

Bei dieser Hightech-Methode werden Münzen oder Barren einer Röntgenstrahlung ausgesetzt und die reflektierende Röntgenfluoreszenzstrahlung analysiert, wodurch die metallische Zusammensetzung des Untersuchungsobjekts ebenso exakt wie zuverlässig festgestellt werden kann. Nachteil dieser schnellen Prüfmethode ist – wie schon beim Säuretest – die Beschränkung der Analyse auf die Oberfläche. Ist die echte Goldschicht auf einem gefälschten Barren dick genug, versagt die Röntgenfluoreszenzanalyse.

Der Ultraschallanalyse bleibt nichts verborgen

Deutlich mehr in die Tiefe als der Säuretest und die Röntgenfluoreszenzanalyse geht die Echtheitsprüfung per Ultraschall: Hier machen sich die Experten den Umstand zunutze, dass unterschiedliche Metalle verschiedene Metalllaufzeiten aufweisen; das ist die Zeit, die der Ultraschall braucht, um das Untersuchungsobjekt zu durchdringen. Auch hervorragende Fälschungen, wie die bereits genannten Goldbarren mit Wolframkern, werden problemlos entlarvt.

Analyse der elektrischen Leitfähigkeit

Alle Metalle – auch Edelmetalle sowie Edelmetalllegierungen – leiten Strom unterschiedlich stark weiter. Die Leitfähigkeitsanalyse kann deshalb recht genau feststellen, ob der untersuchte Barren bzw. die Münze aus dem Material ist, das sie vorgibt zu sein. Ein Vorteil gegenüber den anderen Verfahren der Echtheitsprüfung ist, dass auch Goldbarren, die in einem Blister verkauft werden, getestet werden können, ohne dass dieser entfernt werden muss.

Speziell für Maple-Leaf-Münzen: der Bullion DNA Reader

Ausschließlich Goldhändler, die an dem Royal Canadian Mint’s Bullion DNA Programm zur Identifizierung von Gold-, Silber-, Platin- und Palladiummünzen kanadischer Herstellung teilnehmen, erhalten ein mit einer Datenbank verbundenes Lesegerät. Dieses Lesegerät kann die Oberfläche von Maple-Leaf-Münzen scannen und vergleicht diese in Echtzeit mit einem Oberflächendruck aus einer Datenbank in Kanada – ähnlich wie bei einem Iris-Scan. Die Datenbank enthält die Scans aller Münzen, die seit Einführung des Bullion DNA Programms hergestellt wurden. Laut Hersteller ist dieses Verfahren hundertprozentig sicher. Es könnte durchaus sein, dass andere Münzanbieter diesem Beispiel folgen.

Echtheitsprüfung mit Hausmitteln – Tipps für zu Hause

Neben den professionellen Tests gibt es auch kostengünstige und einfache Methoden, um die Echtheit von Goldbarren oder Münzen zu testen. Wie aussagekräftig die Ergebnisse sind, hängt dabei viel vom Grundwissen der Goldbesitzer sowie von den Vergleichsmöglichkeiten ab, die individuell zur Verfügung stehen.

Die Augenscheinprüfung

Die einfachste Echtheitsprüfung besteht in der visuellen Analyse des Untersuchungsobjekts nach geringsten Abweichungen gegenüber einem garantiert echten Gegenstück. Um den Vergleich durchzuführen braucht man allerdings erst einmal eine zweite, exakt entsprechende Münze oder einen Barren, um einen visuellen Vergleich durchzuführen. Eine andere, wen auch suboptimale Vergleichsmöglichkeit, ist das Heranziehen von Produktbildern aus Online-Shops. Entspricht das Aussehen des Goldes den Produktbildern oder lassen sich sogar schon auf dem ersten Blick Abweichungen im Detail feststellen? Ist der Rand Ihrer Münzen geriffelt oder glatt? Sind die Ränder der Barren beschädigt oder anderweitig auffallend? So können zumindest grobe Unterschiede festgestellt werden, weswegen jedoch meist nur einfache Fälschungen auf diese Weise enttarnt werden können. Gerade für Laien ist diese Testmethode somit eher ungeeignet.

Stimmen Größe und Gewicht?

Ebenfalls einfach umsetzbar, aber bereits deutlich aussagekräftiger als die Augenscheinprüfung, ist ein Vergleich von Gewicht und Ausmaß. Das lohnt sich speziell bei Münzen, da die spezifischen Werte für jede gängige Anlagemünze überall verfügbar und einsehbar sind. So hat z.B. eine Wiener Philharmoniker Goldmünze einen Durchmesser von exakt 37,0 mm, eine Dicke von 2,0 mm sowie ein Gewicht von genau 31,103 g. Weicht einer diese Werte ab, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Fälschung, bei der das Innenleben nicht aus echtem Gold, sondern einer Kupfer-Silber-Legierung besteht.

Die Anziehungskraft mit Magneten testen

Gold ist diamagnetisch, d.h. es wird von Magneten nicht angezogen, sondern abgestoßen. Diese Eigenschaft macht sich der Magnettest zunutze. Dabei wird ein starker Magnet – Achtung: Magnetwirkung vorher testen! – an den Barren oder die Münze gehalten. Bleibt der Magnet an dem Untersuchungsobjekt haften, handelt es sich definitiv nicht um reines Gold. Zuverlässigere Ergebnisse als mit einem einfachen Magneten bieten sogenannte Magnetwaagen. Ein Vorteil des Magnettests ist, dass er auch bei Gold in Blisterverpackungen angewendet werden kann. Dagegen ist der Magnettest bei Goldlegierungen, z.B. bei Schmuck, wenig aussagekräftig.

Nur für Goldmünzen geeignet: der Klangtest

Ganz ohne Hilfsmittel funktioniert die Echtheitsprüfung mittels Klangtest. Hierbei wird die zu untersuchende Goldmünze einfach mit einem anderen metallischen Gegenstand kurz angeschnippst. Der klare, spezifische Klang von Gold ist unterscheidet sich von Fälschungen, die eher dumpf klingen. Dieses simple Hausmittel ist nur für Münzsammler geeignet, die den Klang von Gold gut kennen.

Einfacher Test mit Prüfschablone

Prüfschablonen – auch Münzfische genannt – gibt es für jede bekannte, zur Anlage geeignete Goldmünze, wie etwa American Eagle oder Krügerrand. Mithilfe dieser Schablonen kann auch ein Laie schnell und relativ zuverlässig die Echtheit seiner Münze testen. Hierbei werden einfach anhand verschiedener Ausstanzungen in der Schablone die exakten Ausmaße einer Münze überprüft. Geringste Abweichungen können so festgestellt werden. Prüfschablonen, die sich für mehrere gängige Anlagemünzen eignen, erhält man bereits für weniger als 50 €. Der Nachteil: Sehr gute Fälschungen bestehen diese Echtheitsprüfung.

Mit dem Wasserverdrängungstest die spezifische Dichte überprüfen

Diese Prüfmethode gibt es schon sehr lange: Der griechische Mathematiker und Physiker Archimedes entwickelte sie im 3. Jahrhundert vor Christus. Dabei wird mittels Eintauchen eines Barrens oder einer Münze durch die entstehende Wasserverdrängung die Dichte des Untersuchungsobjekts ermittelt. Archimedes fand nämlich heraus, dass jedes Metall über ein spezifisches Gewicht verfügt: Das von 24 Karat Gold mit einer Feinheit von 999,9/1000 liegt bei 19,3 g/cm3. Ein großer Vorteil dieser Methode ist, dass so nicht nur die Echtheit, sondern auch die Feinheit von Gold zuverlässig bestimmt werden kann. Allerdings ist ein extrem akkurates Arbeiten nötig: Selbst die Wassertemperatur muss exakt bei 20° liegen, weil nur dann die Dichte des Wassers bei genau 1 g/cm3 liegt. Auch muss das Untersuchungsobjekt an allen Seiten vollkommen glatt sein, da sonst selbst kleinste Wasserblasen das Messergebnis beeinflussen können. Detaillierte Anleitungen, wie der Wasserverdrängungstest durchzuführen ist, um ein zuverlässiges Ergebnis zu produzieren, gibt es auf zahlreichen Websites von Goldanbietern und -experten.

Bei der Echtheitsprüfung auch Zertifikate miteinbeziehen

In Bezug auf die Qualität von Goldbarren ist der 1987 ins Leben gerufene Good-Delivery-Standard der London Bullion Market Association das zentrale Gütesiegel der Goldbarrenhersteller. Dieser Standard umfasst strenge Vorgaben hinsichtlich der Ausmaße, des Gewichts und Aussehens, der Stempelung und natürlich der Feinheit von Goldbarren, die bei einem Feinheitsgrad von mindestens 995,0/1000 liegen muss. Darüber hinaus muss auch der Goldbarrenproduzent bestimmte Qualitätsmerkmale erfüllen. Das Good-Delivery-Zertifikat ist weltweit anerkannt und vereinfacht Anlegern den Wiederverkauf von Goldbarren.

Außerdem finden sich auf den Blisterverpackungen von Goldbarren herstellereigene Sicherheitszertifikate, die die Echtheit des jeweiligen Barrens garantieren sollen.

Unglücklicherweise werden Blister jedoch auch gefälscht, und mit ihnen die aufgedruckten Zertifikate. Was zunächst frustrierend scheint, bietet auf der anderen Seite jedoch auch eine Chance: Oft geben sich Fälscher beim Kopieren der Aufdrucke auf den Blisterverpackungen weniger Mühe als bei den Barren selbst. Bei genauer Überprüfung ist es daher nicht nur für Experten, sondern oftmals auch für Laien möglich, nicht perfekt kopierte Zertifikate und andere Aufdrucke auf den Blistern zu erkennen und auf diese Weise eine Fälschung entlarven. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man ein definitiv echtes Vergleichsobjekt heranziehen kann.

Unsere Empfehlung: Kaufen Sie Goldmünzen und Barren bei renommierten Händlern

Während die Expertentests allesamt zumindest eine zuverlässige Oberflächenanalyse ermöglichen, und die Ultraschallanalyse sowie die Analyse der elektrischen Leitfähigkeit sogar eine hundertprozentige Komplettprüfung, sind die meisten Hausmittel nur für eine oberflächliche Echtheitsprüfung geeignet. Allerdings können auch Laien durch die Kombination mehrerer Testmethoden die Zuverlässigkeit ihres Testergebnisses verbessern – speziell dann, wenn sie Blisterverpackungen in die Überprüfung miteinbeziehen. Zumindest relativ schlechte Fälschungen, bei denen das „Innenleben“ eines Barrens oder eine Münze durch Kupfer und Silber substituiert wurde, können recht zuverlässig entlarvt werden. Bei Fälschungen, in denen Wolfram verwendet wurde, versagen jedoch alle Prüfmethoden bis auf den Wasserverdrängungstest, dessen Effektivität von einem extrem hohen Maß an Genauigkeit abhängt.

Grundsätzlich haben alle hier aufgeführten Möglichkeiten der Echtheitsprüfung einen gemeinsamen Nachteil: Man hat den Kauf schon getätigt und erhält – sollte sich das Kaufobjekt tatsächlich als Fälschung erweisen – nicht automatisch sofort sein Geld zurück.

Der einfachste und sicherste Weg, den Erwerb einer Fälschung zu vermeiden, ist daher in aller Regel der Kauf bei einem renommierten, zertifizierten Goldhändler oder bei der Hausbank.

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