Goldimporte & Goldreserven: ein internationaler Vergleich

Goldwissen (Werbung) Arnulf Hinkel, Finanzjournalist – 17.06.2021

Welche Länder importieren das meiste Gold und wozu wird es verwendet? Wer verfügt über die größten nationalen Goldreserven und wozu dienen sie?

© PantherMedia /semisatch

Auf der ganzen Welt ist Gold beliebt. Weshalb das so ist, unterscheidet sich häufig von Land zu Land – speziell, was die Verwendung des Edelmetalls angeht. Hier spielen aktuelle, gesellschaftlich unterschiedliche Schwerpunkte ebenso eine Rolle wie Geschichte und Traditionen einer Nation.

Die Goldimporte eines Landes sagen zunächst einmal nicht viel darüber aus, wofür das Gold verwendet wird. Denn da gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Gold ist ein wichtiger Rohstoff für die Herstellung von Schmuck und dient außerdem in geringerem Umfang in der chemischen und Elektroindustrie sowie in der Medizin als unverzichtbarer Werk- und Wirkstoff.

Weiter ist Gold als Investment sehr gefragt: Dazu zählen nicht nur Goldbarren und -münzen für Anleger, sondern ebenso das Gold, das zur Hinterlegung von Goldfonds und ETCs (Exchange-traded Funds, börsengehandelte Rohstoffe) genutzt wird, um Anlegern eine Investition zu bieten, die alle Vorteile des Wertpapierhandels gewährleistet, gleichzeitig aber möglichst ausfallsicher sein soll. Ein weiterer, auf nationaler Ebene bedeutender Grund für Goldimporte sind die Goldreserven eines Landes. 

Wie wirken sich diese unterschiedlichen Nachfragequellen auf das jeweilige Importverhalten aus? Und welche weiteren Faktoren können bei Goldimporten darüber hinaus eine zentrale Rolle spielen? 

Die sechs größten Goldimporteure der Welt

Goldimporte werden international häufig nicht in Tonnen Gewicht, sondern in US-Dollar aufgelistet, damit nicht versehentlich Äpfel mit Birnen verglichen werden. Während die meisten Länder Feingold importieren, gibt es auch solche, die in hohem Maße eine Art Rohgold aus Golderz – das sogenannte Doré-Gold – einführen, um es in eigenen Raffinerien weiterzuverarbeiten.
Trotzdem ist es aufgrund zahlreicher nationaler Besonderheit nicht einfach, weltweit vergleichbare Daten zur erheben. Die Positionen der einzelnen Länder variieren von Jahr zu Jahr schon mal um ein oder zwei Plätze. Das hier dargestellte Ranking der goldimportierenden Länder bezieht sich auf das Jahr 2019, für das zuverlässige Zahlen vorliegen.  

Die Nr. 1: das Vereinigte Königreich mit 23,1 Prozent aller Goldimporte

© PantherMedia /vitoriaholdingsllc@gmail.com

Das ehemalige Empire ist traditionell eng mit dem Außenhandel von Gold verbunden. Bis heute ist der London Bullion Market der wichtigste außerbörsliche Handelsplatz für Gold. Der internationale Londoner Goldhandel geht bis auf das 17. Jahrhundert zurück. Durch das im Jahr 1919 eingeführte Goldfixing wird bis heute der weltweit gültige Großhandelspreis für Feingold festgestellt. 
Ein weiterer wichtiger Grund für die 70,9 Mrd. US-$ schweren englischen Goldimporte ist die Tradition zahlreicher Zentralbanken, einen Teil ihrer Goldreserven bei der Bank of England zu lagern. Dazu kommen die vielen Tonnen Gold, die große Goldfonds ebenso wie zahlreiche institutionelle Anleger bei sogenannten Bullion-Banken lagern.
Nicht zuletzt haben die Goldimporte ins Vereinigte Königreich in den letzten Jahren auch wegen dem Brexit zugelegt, um das gestiegene Sicherheitsbedürfnis von Anlegern zu befriedigen. 

Platz 2 für die Schweiz mit 19,8 Prozent aller Goldimporte
Wie auch Großbritannien ist die Schweiz ein internationaler Umschlagplatz für Gold. Das Land ist nicht nur als diskreter Lagerort für Gold von privaten wie institutionellen Anlegern beliebt, es verfügt auch über die größten Kapazitäten zur Weiterverarbeitung von Gold: Vier der fünf größten Goldraffinerien befinden sich hier. Gold im Wert von 60,7 Mrd. US$ wurde 2019 importiert.

Bronze für das Reich der Mitte mit Goldimporten über 43,9 Mrd. US$
Die Volksrepublik China ist bereits seit einigen Jahren die Nation mit der höchsten Goldnachfrage – sowohl seitens des Staates als auch der Privatanleger. Warum China angesichts dieser Tatsache nicht den ersten Platz der Goldimporteure belegt, erklärt sich durch die Tatsache, dass die Volksrepublik gleichzeitig auch weltgrößter Produzent des Edelmetalls ist. Goldschmuck ist traditionell in Asien sehr gefragt, und physisch besicherte Gold-ETFs, die erst vor wenigen Jahren in China eingeführt wurden, erfreuen sich steigender Beliebtheit. China hält 14,3 Prozent aller Goldimporte.

Auf Platz 4: Indien mit einem Marktanteil von 10,5 Prozent
Trotz scharfer Regulierung belegt Indien mit Goldimporten im Wert von 32,2 Mrd. US$ den vierten Platz im Ranking. Das Edelmetall wird primär von Schmuckproduzenten und Konsumenten nachgefragt. Der indische Staat versucht durch verschiedene Maßnahmen, den Import zu begrenzen, um das Risiko auszuschalten, das von Gold als Zweitwährung bzw. stabilere Konkurrenz zur Landeswährung ausgeht.  Das Edelmetall spielt traditionell in Indien eine sehr wichtige Rolle, z.B. in der Hochzeitssaison.

Fünfter im Importranking: Hongkong mit 14 Mrd. US$
Die Sonderverwaltungszone und Metropole an der Südküste Chinas bestreitet 4,6 Prozent aller Goldimporte. Der Nachfragemix ähnelt dem Chinas sehr – mit dem Unterschied, dass rund 65 Prozent des eingeführten Goldes in Richtung Festland weitervermarktet werden. 

Sechstgrößter Goldimporteur ist die Türkei mit 3,7 Prozent Marktanteil
In der Türkei wird Gold traditionell in Schmuck- und Münzenform sehr geschätzt. Seit Beginn der Wirtschaftskrise und dem Verfall der Lira hat die Nachfrage nach Gold sowohl von staatlicher als auch privater Seite stark angezogen. Während die türkische Zentralbank ihre Goldreserven innerhalb von nur vier Jahren mehr als versechsfacht hat, droht Gold eine inoffizielle zweite Währung in der Türkei zu werden. Von 2015 bis 2019 sind die Goldimporte in die Türkei um 227,8 Prozent auf einen Gegenwert von 11,2 Mrd. US$ gestiegen.

Deutschland kam im Ranking der Goldimporteure 2019 mit 4,4 Mrd. US$ nur auf Platz 14. Hier wird Gold in erster Linie als Investment geschätzt. Zudem ist Deutschland bereits seit etlichen Jahren das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Eigentum von Gold.

Auf die Netto-Goldimporte kommt es an

Wieviel Gold ein Land letzten Endes wirklich nachfragt, um den Bedarf des Staates, der Konsumenten, der Anleger und der Industrie zu decken, wird erst ersichtlich, wenn man den Goldimporten die -exporte gegenüberstellt. 
Gerade die beiden Goldimport-Spitzenreiter Großbritannien und Schweiz sind auch Weltmeister im Exportieren des Edelmetalls. Im Land der Eidgenossen wird das eingeführte Doré-Gold weiterverarbeitet und zu einem Großteil als Feingold wieder exportiert. Jährlich werden häufig zwischen 1.000 und 2.000 Tonnen ein- und weitgehend wieder ausgeführt. Die Mengen schwanken dabei stark von Jahr zu Jahr.
Im Vereinigten Königreich, in dem der Außenhandel eine entscheidende Rolle im gesamten Goldhandel spielt, schwanken die Import- und Exportmengen noch stärker, da hier neben dem Großhandelsbedarf von Juwelieren auch die Nachfrage der größten börsengehandelten Goldfonds gedeckt werden muss.
Auch die USA, im Ranking der Goldimporteure auf Platz 8, zählten 2019 zu den Netto-Exporteuren. Die meisten anderen Länder sind Netto-Importeure, was sich speziell in den letzten Jahren an einer bis August 2020 fast ungebremsten Goldpreis-Rallye in Form einer positiven Goldhandelsbilanz bemerkbar machte. Durch die Verteuerung des Edelmetalls gewannen die nationalen Goldreserven deutlich an Wert. 

Goldreserven – Risikoausgleich und Sicherung der Zahlungsfähigkeit

In Form von Goldreserven fließt der staatliche Anteil der Goldimporte in die jeweiligen nationalen Fremdwährungsreserven. Diese sollen sicherstellen, dass eine Zentralbank über genügend Liquidität verfügt, um Devisengeschäfte durchführen zu können. Ein Teil dieser Reserven besteht traditionell aus der Leitwährung US-Dollar. In den letzten Jahrzehnten sind auch andere wichtige, stabile Währungen wie Schweizer Franken, Euro und Renminbi hinzugekommen. Gold spielt bei den Fremdwährungsreserven eine besondere Rolle. Als währungs- und finanzsystemunabhängiges Zahlungsmittel dient die nationale Goldreserve bei guter Konjunkturlage als Risikoausgleich zu Wertschwankungen des US-Dollar. In Krisenzeiten stellen die Goldreserven die Liquidität eines Landes sicher, indem sie einen wirksamen Zahlungsausfallschutz bei Abwertung der jeweiligen Währung bieten und so die finanzielle Unabhängigkeit einer Nation unterstützen. In dieser Funktion bewährt sich Gold bereits seit vielen Jahrhunderten.
Der Umfang der nationalen Goldreserven ist u.a. von der wirtschaftlichen Lage des Landes abhängig. Eine große Rolle spielen auch historische Entwicklungen und Ereignisse, wie z.B. die Einführung und auch das Ende des Bretton-Woods-Systems nach dem Zweiten Weltkrieg, das eine internationale Währungsordnung bezeichnet, die von Wechselkursbandbreiten mit dem US-Dollar als Ankerwährung bestimmt war. Dabei diente Gold als Deckungsmittel. Der normalerweise von vielfältigen Faktoren beeinflusste Goldpreis gegenüber der US-Währung wurde dabei über Jahrzehnte hinweg auf 35 US$ pro Unze fixiert. 

Die sechs Länder mit den größten Goldreserven 

Nach offiziellen Angaben von März 2021 verfügen diese Länder über die größten Goldreserven:

1. Die USA

© PantherMedia /Andrei Barmashov

Mit 8.133,5 Tonnen Gold u.a. in den Tresoren der Federal Reserve Bank in New York und dem im Volksmund „Fort Knox“ genannten United States Bullion Despository halten die Vereinigten Staaten nicht nur die größten Goldreserven der Welt, diese machen außerdem mit 77,5 Prozent der Gesamtreserven den größten Goldanteil aller Fremdwährungsreserven im globalen Vergleich aus.

2. Deutschland
Mit einigem Abstand folgt Deutschland mit 3.362,4 Tonnen und einem ebenfalls sehr hohen Goldanteil bei den Gesamtreserven, nämlich 74,5 Prozent.

3. Italien
Die Staaten der Eurozone haben mit durchschnittlich 59,1 Prozent einen hohen Anteil an Goldreserven. Italien übertrifft diesen jedoch mit 69,3 Prozent und den drittgrößten Goldreserven weltweit mit 2.451,8 Tonnen.

4. Frankreich    
Fast gleichauf ist Frankreich mit 2.436,1 Tonnen Goldreserven, die 64,5 Prozent der Gesamtreserven ausmachen, also genau wie die italienischen über dem europäischen Durchschnitt liegen.

5. Russland
Als relativer Newcomer unter den Spitzenplätzen hat Russland seit 2012 seine Goldreserven mehr als verdoppelt und belegt aktuell Platz 5 mit 2.295,4 Tonnen Gold, die allerdings bei den Gesamtreserven deutlich weniger zu Buche schlagen als bei den USA und der Eurozone, nämlich mit lediglich 22 Prozent.

6. China
Als eine der führenden Wirtschaftsmächte ist die Volksrepublik von Russland 2018 überholt worden, was allerdings wenig über die Fremdwährungsreserven Chinas aussagt. Die 1.948,3 Tonnen Goldreserven des Landes machen nämlich nur 3,3 der Gesamtreserven aus.

Weltweit lagern 35.218,6 Tonnen Gold in den Tresoren der Zentralbanken. In der Eurozone allein sind es 10.772,2 Tonnen. 

Gold dient nicht nur Staaten als Liquiditätsreserve

Die Vorteile nationaler Goldreserven lassen sich prinzipiell ebenso auf den nichtstaatlichen Sektor übertragen. Auch Privatanlegern und Institutionellen Anlegern dient Gold als Inflationsschutz und Liquiditätsreserve in Krisenzeiten. Die Möglichkeit der Portfoliodiversifikation und Portfoliostabilisierung durch Gold wird darüber hinaus gerne von Investoren jeglicher Couleur genutzt. Deshalb waren Ende 2020 insgesamt 1.773,2 Tonnen Gold allein für Investitionszwecke im Umlauf. Davon entfielen 896,1 Tonnen auf Goldbarren und Münzen, die sich hauptsächlich in privater Hand befinden, während weitere 877 Tonnen der physischen Deckung von Gold-ETFs und Gold-ETCs dienten, die sowohl von privaten als auch institutionellen Anlegern genutzt werden.

Arnulf Hinkel
Finanzjournalist
 

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