Kehrtwende bei den Goldpreisen

04.10.2019 - Marktkommentar

von Michael Blumenroth

Wöchentlicher Marktbericht

Sah es beim Verfassen der finalen Fassung dieser Zeilen am Montag und insbesondere am Dienstag  noch relativ düster für die Freunde hoher Goldpreise aus, so hat die Stimmung an den Märkten seither deutlich umgeschlagen.

Auslöser für die Neubewertung der Risiken an den Finanzmärkten waren dabei überraschend schlechte Daten eines vielbeachteten Frühindikators, nämlich des ISM-Index aus den USA. Am Dienstag sank dieser Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA weiter in einen Bereich, der in der historischen Betrachtung eher auf eine zukünftige Rezession hindeutet. Gestern Nachmittag enttäuschte auch der ISM-Index für den US-Dienstleistungssektor, nachdem zuvor schon die Einkaufsmanagerindizes für Dienstleistungen in der Eurozone schlechter als erwartet ausgefallen waren.

Infolgedessen traten die altbekannten Handelsmuster zutage: Die Investoren preisen nunmehr weitere Leitzinssenkungen der US-Notenbank Fed mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit ein als in den Tagen zuvor. Dies sorgte dafür, dass die Renditen von US-Staatsanleihen seit Dienstagnachmittag deutlich zurückgingen. Niedrigere Marktzinsen / Renditen in den USA üben dabei naheliegenderweise auch Druck auf den Wert des US-Dollar aus. Und beide Phänomene zusammen sorgen meistens für Auftrieb bei den Goldpreisen.

So war es auch diesmal:

In USD betrachtet handelte Gold am Montagvormittag dieser Woche um die Marke von 1.491 $/Unze. Das Edelmetall fiel am Dienstagvormittag auf das Wochentief bei 1.459,25 $/Unze und damit unter eine charttechnische Unterstützungszone. Im Normalfall bedeutet dies weiteres Ungemach für die Goldpreise. Diesmal allerdings konnte der Goldpreis aufgrund der oben genannten Gründe eine 180-Grad-Wende vollziehen. Nach den schwachen ISM-Daten am Dienstag kletterte der Goldpreis wieder auf 1.487 $/Unze. Am Mittwoch war ein Anstieg auf über 1.500 $/Unze zu verzeichnen, und nach Veröffentlichung der enttäuschenden ISM-Daten für den Dienstleistungssektor erreichte der Goldpreis sogar wieder die Marke von 1.519,50 $/Unze. Heute Morgen wird das edelste aller Metalle etwas tiefer bei 1.509 $/Unze gehandelt.

Der Euro konnte sich nach den enttäuschenden US-Daten von seinen Zweieinhalbjahrestiefs gegenüber dem US-Dollar erholen und erneut die Marke von 1,09 EUR/USD erklimmen. Der Xetra-Gold-Preis fiel zunächst von 43,85 €/Gramm am Montagvormittag auf 43,05 €/Gramm am Dienstagmorgen. Nach den schwachen US-Konjunkturdaten zog der Preis wieder an und kletterte heute Morgen auf 44,26 €/Gramm. Aktuell liegen wir bei circa 44,23 €/Gramm.

Heute Nachmittag werden aus den USA die Arbeitsmarktdaten vermeldet. Nächste Woche dürfte die geplante Wiederaufnahme der Handelsgespräche zwischen den USA und China am Donnerstag und Freitag ganz klar im Fokus stehen.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein erholsames Herbstwochenende.

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