Zurück in die Nullerjahre

Marktkommentar

Die Erfahreneren unter uns kennen sicher noch die Filmreihe „Zurück in die Zukunft“, in der Michael J. Fox abwechselnd mit der Zeitmaschine in die Vergangenheit oder Zukunft reist. Wer diese nicht kennt: Auch viele Jahre nach ihrer Veröffentlichung in den Kinos dürften die Filme immer noch sehenswert sein. Warum eröffne ich den heutigen Marktbericht hiermit? Weil aktuell ein Blick auf die Renditen der Staatsanleihen der USA das Gefühl aufkommen lässt, man wäre mit der Zeitmaschine in die Mitte der Nullerjahre zurückgereist.

US-Staatsanleihen: Renditen auf Niveau von 2007

Beispielsweise stiegen gestern die Renditen fünfjähriger US-amerikanischer Staatsanleihen erstmals seit 2007 über die Marke von 5,0 Prozent. Auch die 5,13 Prozent für Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit und die 5,40 Prozent für diejenigen mit 30-jähriger Laufzeit wurden für US-Treasuries zuletzt im Jahr 2007 aufgerufen. Auch die Renditen der Anleihen der Euroländer, insbesondere in Frankreich, kletterten auf Niveaus, die seit mehr als einer Dekade nicht mehr erreicht worden waren.

Gegenwind für Gold: Starker US-Dollar und höhere Zinserwartungen

Als wäre das nicht genug Gegenwind für die Goldpreise, profitierte auch der US-Dollar gestern von sehr starken Konjunkturdaten aus den USA sowie von seiner Rolle als vermeintlich „sicherer Hafen“ in Zeiten von Marktturbulenzen. Zudem nahmen gestern die Erwartungen an weitere Leitzinserhöhungen der Notenbanken deutlich zu. Hatten die Goldpreise der Leitzinserhöhung der US-Notenbank Fed nach ein paar kurzen „Schreckminuten“ Ende vergangener Woche noch bemerkenswert standgehalten, wurde der kräftige Anstieg der Renditen mitsamt der Aufwertung des US-Dollars schließlich doch zum Bremsklotz.

Goldpreisentwicklung: vom Anstieg zur Talfahrt

Notierten die Goldpreise am Donnerstagmorgen vergangener Woche noch bei rund 4.290 US$ je Unze, verfehlten sie am Freitag die Marke von 4.400 US$ je Unze nur um Haaresbreite und beendeten die vergangene Woche bei 4.380 US$ je Unze. In der neuen Woche ging es etwas auf und ab, gestern Morgen notierte Gold aber zeitweise immer noch bei 4.370 US$ je Unze. Dann kam es zu der oben erwähnten Gemengelage aus kräftig steigenden Renditen und einem sehr festen US-Dollar, die die Goldpreise auf Talfahrt schickte, und zwar bis auf etwa 4.274 US$ je Unze heute Nacht. Aktuell wird Gold nur geringfügig fester, nämlich bei rund 4.285 US$ je Unze, gehandelt.

Xetra-Gold: Schwächerer Euro stützt Preis

Der Xetra-Gold-Preis wurde vom schwächeren Euro gegenüber dem US-Dollar etwas gestützt. Während der üblichen Handelszeiten stieg er zwar zunächst von 120,55 € pro Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen auf etwa 123,15 € pro Gramm am Freitag. Er rutschte gestern zwar ebenfalls ab, hielt sich im Tagestief mit 120,70 € pro Gramm jedoch zumindest leicht oberhalb des oben erwähnten Vorwochenniveaus. Zum Handelsstart heute Morgen wären knapp 121,00 € pro Gramm aufgerufen worden, falls der Preis von 8 Uhr noch gültig wäre, was im volatilen Handel jedoch nicht ganz der Fall sein dürfte.

Marktausblick: Nervöses Umfeld zum Quartalsende

Ölpreise und Anleihemärkte dürften auch in den kommenden Tagen die Richtung vorgeben. In diesem nervösen Umfeld und mit dem nahenden Quartalsende sind Kursausschläge in jede Richtung möglich. Ganz allgemein gesprochen hielt sich der Goldpreis in dieser Woche angesichts des ungewöhnlich starken Renditeanstiegs aber noch relativ gut.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein schönes, frühherbstliches Wochenende mit Kaiserwetter (passend zum Oktoberfest).