US-Inflation als Spielverderber

Marktkommentar

Aus logistischen Gründen muss ich in dieser Woche bereits am Mittwochnachmittag zur elektronischen Feder greifen anstatt zur gewohnten Zeit am Donnerstag. Tagelang und bis heute Nachmittag gegen etwa 14 Uhr hatte ich mich sehr darauf gefreut, endlich einmal wieder im Wochenvergleich steigende Goldkurse an dieser Stelle zu verkünden. Schließlich ist es schon etwas frustrierend, zuletzt eher über sinkende Kurse zu berichten, anstatt endlich mal wieder Freude zu spenden. Aber denken Sie bitte erneut daran: Ich bin nur der Bote … und nicht für den heutigen Kursrücksetzer verantwortlich.

Anleihemärkte: Beruhigung stützt Goldpreis

Tendenziell startete die Woche nämlich gut für Gold. Zum Ende vergangener Woche hin hatten sich die Goldpreise bereits etwas stabilisiert und den Blick gen Norden gerichtet. Grund war, dass sich die zuletzt sehr starken Kursschwankungen an den Anleihemärkten verringerten und die Renditen etwas von ihren Höchstständen zurückkamen. Am Montag waren in den USA die Anleihemärkte wegen des Columbus-Days geschlossen, sodass die Goldkurse nur moderat von ihrem in der Nacht auf Montag erzielten Wochenhoch zurückkamen. Auch am Dienstag und bis Mittwochmittag verharrten die Goldnotierungen rund 1 bis 2 Prozent oberhalb ihres Niveaus vom vergangenen Donnerstag. Dann passierte, was nicht passieren durfte: Die Verbraucherpreisinflation lag im September mit 3,7 Prozent oberhalb der Markterwartungen. Auch bei der um Energie- und Lebensmittelpreise bereinigten Kerninflationsrate wurde der Marktkonsens leicht überschritten.

US-Inflation: Zinserhöhung der Fed wieder im Spiel

Es kam, wie es kommen musste: Nachdem zuletzt an den Zinsterminmärkten eine potenzielle Leitzinserhöhung der US-Notenbank Fed für den 28. Oktober als unwahrscheinlich betrachtet und deshalb stark ausgepreist worden war, wurde nach der Veröffentlichung der Inflationsdaten eine Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung von rund 50 Prozent eingepreist. Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen sprangen um 0,10 Prozentpunkte aufwärts. Und der US-Dollar wertete gegenüber dem Euro um rund 0,7 Prozent auf das höchste Niveau seit Mai 2025 auf. Auch der breit gefasste US-Dollar-Index von Bloomberg stieg auf ein Elfmonatshoch. Daraufhin vollzogen die Goldpreise quasi eine Vollbremsung:

Goldpreis: Rücksetzer nach Wochenhoch

Am Donnerstagmorgen vergangener Woche notierten sie noch bei rund 4.125 US$ je Unze. Nach einem Anstieg auf 4.195 US$ je Unze zum Wochenschluss wurde in der Nacht auf Montag das oben erwähnte Wochenhoch bei etwa 4.217 US$ je Unze erzielt. Noch am Mittwochmittag wurde das Edelmetall bei 4.150 US$ je Unze gehandelt, bevor es nach Veröffentlichung der Inflationsdaten auf 4.080 US$ je Unze sank. Um 16.30 Uhr am Mittwochnachmittag wird Gold bei 4.095 US$ je Unze gehandelt.

Xetra-Gold: Schwächerer Euro stützt Preis

Der Xetra-Gold-Preis notiert aufgrund des schwächeren Euro gegenüber dem US-Dollar beim Schreiben dieser Zeilen leicht oberhalb des Vorwochenniveaus – immerhin. Während der üblichen Handelszeiten stieg er zunächst von 118,20 € pro Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen auf etwa 120,35 € pro Gramm zum Wochenschluss am Freitag. Das Wochenhoch wurde mit 120,85 € pro Gramm am Dienstag zum Handelsstart erzielt. Nach den US-Inflationsdaten ging es abwärts auf das bisherige Wochentief bei exakt 118,00 € pro Gramm beziehungsweise auf aktuell 118,40 € pro Gramm am Mittwoch um 16.30 Uhr.

Ausblick: Realzinsen und Erzeugerpreise im Blick

Der Fokus richtet sich nun wieder auf die Geldpolitik der Fed. Die am Donnerstag dieser Woche zur Veröffentlichung anstehenden Daten zu den US-Erzeugerpreisen könnten für weitere kräftige Marktbewegungen sorgen. Es ist vielleicht ein schwacher Trost, aber verschiedene Marktanalysen wiesen zuletzt darauf hin, dass der Goldpreis in dem aktuellen Umfeld ungewöhnlich hoher Realzinsen (das sind die Nominalzinsen auf Anleihen abzüglich der erwarteten Inflationsrate) bemerkenswert resilient ist. Verschiedene Modellberechnungen ergeben, dass der Goldpreis in diesem Umfeld eher unter 3.000 US$ je Unze liegen müsste. Die Goldanhänger können also hoffen, dass die Realzinsen mittelfristig wieder sinken, was den Goldpreisen einen ordentlichen Schub geben könnte.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein schönes Wochenende und möglicherweise schöne Herbstferien.