Eines der Modewörter, die immer mal wieder irgendwo auftauchen bzw. aus der Kiste geholt werden, ist sicherlich „Resilienz". Das findet jeder gut, und es wird als Zeichen der Stärke gedeutet. Wenn man auf den Goldpreisverlauf seit dem vergangenen Freitagmorgen zurückblickt, dann hat das edle Metall sich dieses Attribut redlich verdient. Der Gegenwind blies Gold zu Beginn der Woche nämlich recht kräftig ins Gesicht: Nach weiteren negativen Nachrichten hinsichtlich der Ölversorgung aus dem Nahen Osten über das Wochenende hinweg sprangen die Ölpreise zum Wochenauftakt erst einmal um 4 Prozent aufwärts. Dies hatte einen starken Anstieg der Renditen der Staatsanleihen zur Folge. Sowohl die Renditen der langlaufenden Anleihen der USA als auch diejenigen Deutschlands, Italiens und Frankreichs stiegen auf das höchste Niveau seit Mitte bis Ende der Nuller-Jahre – ganz zu schweigen von deren japanischen Pendants. Die Erwartungen an Leitzinserhöhungen der Notenbanken legten weiter zu. Gleichzeitig wertete der US-Dollar auf breiter Front spürbar auf.
Nach einem vorübergehenden Rücksetzer atmete der Goldpreis einmal tief durch und kletterte bis zum Highlight der Woche, der gestrigen Sitzung der US-Notenbank Fed, auf exakt die 4.350 US$ je Unze zurück, bei denen er am Freitagmorgen notiert hatte.
Fed-Zinserhöhung mit hawkishem Signal
So weit, so gut. Hätte ich diese Zeilen gestern um 19.59 Uhr vollendet, hätten die Anhänger des gelben Metalls also mehr oder weniger Grund zur Freude haben können. Dann übernahm aber die US-Notenbank Fed die Rolle des Partyschrecks. Dass die Fed gestern die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte erhöhte, war an den Märkten bereits im Vorfeld mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eingepreist worden. 16 von 18 Notenbankvertretern erwarten jedoch bis Ende 2026 mindestens eine weitere Zinserhöhung auf 4 bis 4,25 Prozent – es gibt bis dahin noch zwei weitere Sitzungen. Für 2027 erwarten die Notenbanker keinen weiteren Zinsschritt mehr – allerdings mit einer nur knappen Mehrheit, denn acht der 18 Mitglieder halten eine weitere Zinsanhebung 2027 für wahrscheinlich. Die Fed erhöhte ihre Prognosen sowohl für die Kerninflationsrate als auch für das Wirtschaftswachstum 2026 leicht und senkte diejenige für die Arbeitslosenquote. Die Währungshüter betonten, dass die binnenwirtschaftliche Nachfrage widerstandsfähig, das Produktivitätswachstum stark und die Investitionstätigkeit robust sei.
Zinsausblick belastet Goldpreis
Diese Erwartung einer, nun ja, resilienten US-Konjunktur könnte dafür gesorgt haben, dass viele Akteure an den Finanzmärkten weiterhin erwarten, dass mehrere Leitzinserhöhungen nötig sein werden, um die Inflation auf 2 Prozent zurück zu senken: An den Zinsterminmärkten werden drei weitere Zinsschritte bis September 2027 eingepreist. Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen stiegen kräftig an, auch der US-Dollar wertete nach der Fed-Sitzung auf. Beides belastete die Goldpreise stark.
Goldpreis: Wechselhafte Woche
Notierten die Goldpreise am Freitagmorgen vergangener Woche bei rund 4.350 US$ je Unze, stiegen sie noch am selben Tag auf 4.402 US$ je Unze an, gaben diese Gewinne aber zum Tagesschluss komplett wieder ab. Der kräftige Anstieg der Ölpreise und der Renditen sorgte dann am Montagnachmittag für einen Rücksetzer auf 4.254 US$ je Unze. Die Notierungen erholten sich zurück auf 4.350 US$ je Unze vor der Fed-Sitzung. Danach rutschten sie jedoch schnell bis auf rund 4.235 US$ je Unze ab. Der Goldpreis erholte sich aber heute Nacht bereits wieder und stieg bis auf knapp 4.320 US$ je Unze, bevor er um 7 Uhr bei 4.290 US$ je Unze notierte.
Xetra-Gold: Euro-Schwäche als Stütze
Der Xetra-Gold®-Preis profitierte von dem etwas schwächeren Kurs des Euro zum US-Dollar: Während der üblichen Handelszeiten stieg er zwar zunächst von 120,50 € pro Gramm am vergangenen Freitagnachmittag bis auf 121,90 € pro Gramm, gab aber am Montag bis auf rund 118,65 € pro Gramm nach. Gestern vor der Fed-Sitzung wurden 121,10 € pro Gramm aufgerufen. Zum Handelsstart heute Morgen würden 120,55 € pro Gramm an der Anzeigetafel stehen, falls der Preis von 7 Uhr noch gültig wäre.
Blick voraus: Bank of Japan im Fokus
Die Märkte dürften sich jetzt erst einmal sortieren und das Ergebnis der Fed-Sitzung verarbeiten. Morgen dürfte die Bank of Japan ebenfalls die Leitzinsen erhöhen. Je nach Kommunikation in der anschließenden Pressekonferenz könnte dies die Märkte ebenfalls bewegen.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein schönes, spätsommerliches Wochenende.