Zwar wird der Goldpreis – bildlich betrachtet – nicht wirklich von irgendjemandem gefangen gehalten. Es fühlt sich aber irgendwie fast so an, wenn man auf den Chart schaut und Gold nun seit einiger Zeit seitwärts handelt, also weder nachhaltig nach oben noch nach unten ausbrechen kann. Insbesondere, wenn man den Blick in Richtung anderer Segmente der Finanzmärkte wendet. Sei es beispielsweise an den Anleihe- oder Aktienmärkten oder auch an den Handelsplätzen für andere Rohstoffe: Dort war einiges an Bewegung zu verzeichnen, während die Notierungen für Gold seit dem Schreiben dieser Zeilen in der vergangenen Woche bis gestern Abend in einer relativ engen Spanne von weniger als 100 US$ je Unze verharrten, bevor sie heute Nacht etwas stärker abrutschten.
Energiepreise treiben Zinserwartungen
Die Belastungsfaktoren für das edle Metall bleiben weiterhin bestehen: Die hohen Preise für Energierohstoffe wie Erdöl und Erdgas lassen einen weiteren Anstieg der Inflationsraten rund um den Globus befürchten. Brent-Öl notiert heute Morgen über der Marke von 112 US-Dollar je Barrel, die Preise für Erdgas-Terminkontrakte an der niederländischen Börse TTF kletterten auf das höchste Niveau seit Ende 2022. Dies hält an den Zinsterminmärkten die Erwartungen bezüglich weiterer Leitzinserhöhungen der Notenbanken hoch: Für die US-Notenbank Fed werden drei Zinserhöhungen zu jeweils 0,25 Prozentpunkten bis zum Sommer 2027 eingepreist, für die EZB zwei. Auch für Großbritannien, Schweden und Kanada werden nun nach einer längeren Zinspause Leitzinserhöhungen bereits im Rahmen der Sitzungen in den folgenden beiden Wochen erwartet. Die Renditen der Staatsanleihen verbleiben somit weiterhin auf hohem Niveau. Gleiches gilt für den US-Dollar, der in der vergangenen Woche auf ein 17-Monats-Hoch gegenüber dem Euro stieg.
Sicherer Hafen: Nachfrage stützt Gold
Andererseits sind die Renditen zuletzt beispielsweise für Anleihen der USA oder Deutschlands etwas zurückgekommen. Dies liegt auch daran, dass die Titel einiger Länder weiterhin von ihrem Status als „sicherer Hafen“ profitieren und deshalb im Zuge teilweise etwas turbulenterer Kursbewegungen an den Aktienmärkten nachgefragt wurden. Dies dürfte auch für Gold selbst gelten, das an den Finanzmärkten ebenfalls weiterhin als „sicherer Hafen“ angesehen wird. Die Nachfrage aus China, die Nachfrage nach ETCs, die im dritten Quartal auf ein Rekordniveau gestiegen war, sowie die Nachfrage von Notenbanken scheinen zudem momentan zu verhindern, dass der Goldpreis nachhaltig unter die Marke von 4.000 US$ je Unze rutscht.
Goldpreis: Erholung und erneuter Rücksetzer
Am Mittwochnachmittag vergangener Woche notierte Gold nach den unerwartet hohen US-Inflationsdaten bei rund 4.095 US$ je Unze. Bereits am Donnerstag im asiatischen Handel kletterten die Notierungen dann zurück auf 4.160 US$ je Unze. Am Freitag wurden in der Spitze sogar 4.198,50 US$ je Unze erzielt, bevor sich das gelbe Metall bei 4.165 US$ je Unze in das Wochenende verabschiedete. Mit dem Wochenbeginn und weiterhin hohen Ölpreisen sowie zeitweise auch wieder ansteigenden Renditen und einem festeren US-Dollar geriet das edelste aller Metalle dann aber wieder in die Defensive. Es sank bis auf 4.106 US$ je Unze gestern Morgen, bevor es sich bis auf 4.140 US$ je Unze erholte. Nach Medienberichten, die auf eine potenzielle erneute Eskalation im Nahen Osten hinwiesen, stiegen die Ölpreise spürbar an, während es für Gold in Richtung 4.070 US$ je Unze abwärtsging. Um 9.30 Uhr heute Morgen wird Gold bei 4.090 US$ je Unze gehandelt.
Xetra-Gold: im Gleichlauf mit Gold
Der Xetra-Gold-Preis bewegte sich meist nahezu parallel zum Goldpreis in US-Dollar. Während der üblichen Handelszeiten stieg er von 118,40 € pro Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen auf etwa 120,20 € pro Gramm zum Wochenstart am Montag. Anschließend ging es abwärts bis auf 117,70 € pro Gramm zum Handelsstart am Mittwoch, woraufhin sich die Preise aber schnell wieder gen Norden orientierten und auf 118,60 € pro Gramm gestern Nachmittag anstiegen. Nach dem erneuten Ölpreisanstieg notiert Xetra-Gold aktuell jedoch etwas tiefer bei 117,00 € pro Gramm.
Notenbanken rücken in den Fokus
Der Fokus dürfte sich – neben den geopolitischen Entwicklungen – nun auch wieder auf die Notenbanken richten, die in den kommenden zwei Wochen zu einer Vielzahl von Sitzungen zusammenkommen werden. Insbesondere die Sitzung der Fed am kommenden Mittwochabend dürfte das Highlight der kommenden Woche werden, bevor die EZB am Donnerstag folgt.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein erholsames Wochenende und hoffe, dass Sie daran denken, die Uhr eine Stunde zurückzustellen.