Auf ins Schlussquartal

Marktkommentar

Willkommen im Oktober und auf zum Grande Finale des Jahres 2026. In München wird noch bis zum Sonntag auf der Wiesn gefeiert, dann ist auch das diesjährige Oktoberfest schon wieder Geschichte. Ob es heutzutage noch Jahrmarktattraktionen wie „Hau den Lukas“ gibt, bei denen die Teilnehmer mit einem Vorschlaghammer, dessen Kopf meist aus Hartkunststoff besteht, auf einen gefederten Knopf schlagen, ist dem Autor dieser Zeilen nicht bekannt. An den Finanzmärkten übernahmen die Anleihemärkte in den vergangenen Tagen die Rolle des Vorschlaghammers.

Anleihemärkte: Renditen auf Mehrjahreshochs

Wie bereits in meinem vergangenen Marktkommentar können auch für diese Woche neue Höchststände bei den Renditen gemeldet werden. Beispielsweise stiegen gestern die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen erstmals seit 2002 über die Marke von 5,30 Prozent. Auch die 5,65 Prozent für Anleihen mit 30-jähriger Laufzeit waren zuletzt im Jahr 2002 an der Anzeigetafel zu finden. Diesem Aufwärtstrend konnten sich auch die Renditen der Anleihen der Euroländer nicht entziehen: Auch für sie ging es stramm aufwärts. Gerade eben beim Schreiben dieser Zeilen stieg zudem die Rendite 30-jähriger britischer Staatsanleihen erstmals seit 1998 über die 6-Prozent-Marke.

Steigende Renditen: Gegenwind für Gold

Machen wir es kurz: Kräftig steigende Renditen bedeuten in der Mehrzahl der Fälle auch deutlichen Gegenwind für die Goldpreise. Schließlich zahlt Gold weder Zinsen noch Dividenden. Staatsanleihen gelten ebenso wie Gold als „sicherer Hafen“, bieten Anlegern jedoch zusätzlich eine feste Verzinsung. Der Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen erhöht zudem die Attraktivität von Anlagen in US-Dollar. In der Folge wertete der US-Dollar auf, während der Euro gegenüber dem US-Dollar auf den tiefsten Stand seit Jahresbeginn zurückfiel.

Goldpreis: Rücksetzer, Erholung, neuer Druck

Es sollte also nicht überraschen, dass die Goldpreise zuletzt unter Druck gerieten. Am Donnerstagmorgen vergangener Woche notierten sie noch bei rund 4.285 US$ je Unze. Am Freitag stiegen sie zunächst auf 4.315 US$ je Unze und beendeten die Woche bei etwa 4.290 US$ je Unze. Mit Wochenbeginn und dem rasanten Renditeanstieg ging es jedoch deutlich abwärts: Am Montag fielen die Preise bis auf 4.111 US$ je Unze. Trotz weiter steigender Renditen erholten sie sich bis gestern Nachmittag auf 4.220 US$ je Unze, nachdem die Inflationsdaten aus den USA niedriger ausgefallen waren als im Marktkonsens erwartet. Der erneute kräftige Renditeanstieg am heutigen Vormittag und die weitere Aufwertung des US-Dollars ließen den Goldpreis anschließend auf aktuell 4.160 US$ je Unze zurückfallen.

Schwacher Euro stützt Xetra-Gold

Der Xetra-Gold®-Preis wurde vom schwächeren Euro gegenüber dem US-Dollar zumindest etwas gestützt. Während der üblichen Handelszeiten stieg er zunächst von 121,00 € pro Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen auf etwa 121,70 € pro Gramm am Freitag. Am Montag rutschte er auf das bisherige Wochentief von 116,45 € pro Gramm, erholte sich gestern bis auf 119,25 € pro Gramm und notierte beim Schreiben dieser Zeilen bei 118,40 € pro Gramm.

Ausblick: Anleihemärkte und US-Arbeitsmarkt im Blick

Die Anleihemärkte dürften weiterhin im Fokus stehen. Solange die Renditen nicht nachhaltig fallen, dürften sich die Goldpreise schwertun. Der für morgen erwartete US-Arbeitsmarktbericht könnte jedoch neue Impulse in die eine oder andere Richtung geben. Zwar stehen derzeit die Inflationsdaten im Vordergrund, doch viele Händler und Analysten beobachten weiterhin aufmerksam die Verfassung des US-Arbeitsmarktes. Auch sie dürfte für die künftige Geldpolitik der Fed eine wichtige Rolle spielen.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein erholsames Feiertagswochenende.