Kaum zeigten sich die Vorboten des Herbstes am vergangenen Wochenende mit Sturm und Regen, wurden auch die Goldpreise von einem Tiefdruckgebiet erfasst. Einen konkreten fundamentalen Auslöser hierfür gab es nicht. Allerdings belasteten erneut zwei bekannte Gegenspieler die Notierungen des edlen Metalls, nämlich die Renditen und der US-Dollar. Bei den Renditen ist die Lage auf den ersten Blick allerdings nicht so eindeutig, denn schließlich gaben die Renditen langlaufender US- und deutscher Staatsanleihen kräftig nach. Allerdings stiegen im Gegenzug diejenigen anderer europäischer Staatsanleihen teils spürbar an. Zudem blieben die Renditen der Papiere mit kürzeren Laufzeiten rund um den Globus auf einem hohen Niveau – schließlich bestehen die Inflationsgefahren weiterhin, was weitere Leitzinserhöhungen vieler Notenbanken zur Folge haben dürfte.
Energiepreise: Inflationsdruck belastet Gold
Ganz allgemein gilt zudem: Je höher der Ölpreis, desto höher die Inflationsgefahren und desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Notenbanken die Zinsen anheben. Das bläst den Goldpreisen tendenziell Gegenwind ins Gesicht. In der vergangenen Woche hatte der Preis für Brent-Öl erstmals seit Mai wieder die Marke von rund 117 US-Dollar je Barrel erreicht. Damit nicht genug: Auch Erdgas verteuert sich weiterhin und stieg gestern an der niederländischen Terminbörse TTF erstmals seit Ende 2022 auf die Marke von 100 Euro je Megawattstunde – die Preise haben sich seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht. Eine persönliche Anmerkung: Vielleicht war es gut, dass in dieser Woche die Erdgasheizung in unserer Wohnanlage eine Zeit lang ausgefallen ist. So konnten wir schon mal für den Winter trainieren …
Starker US-Dollar und Zinsausblick bremsen Gold
Ebenfalls preisdämpfend für Gold ist die anhaltende Stärke des US-Dollars, der gestern kurzzeitig auf ein 17-Monats-Hoch gegenüber dem Euro stieg. Diese Woche steht zudem im Zeichen mehrerer Notenbanksitzungen. Die Bank of Canada erhöhte gestern ihre Leitzinsen erstmals seit drei Jahren. Die US-Notenbank Fed hielt zwar die Füße still und beließ die Leitzinsen unverändert, deutete aber an, dass es im Dezember durchaus zu einem weiteren Zinsschritt kommen könnte bzw. sogar dürfte. Die Terminmärkte preisen eine weitere Erhöhung zu diesem Zeitpunkt mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent ein.
Goldpreis: von Verkaufsdruck zu leichter Stabilisierung
Diese Gemengelage belastet weiterhin die Notierungen: Am Donnerstagmorgen vergangener Woche notierte Gold bei rund 4.090 US$ je Unze. Bereits im Tagesverlauf orientierten sich die Goldpreise dann aber gen Süden, woraufhin sich am Freitag die Abwärtsbewegung beschleunigte. Hier dürften vermutlich auch Verkäufe von Großanlegern zur Verlustbegrenzung eine entscheidende Rolle gespielt haben. Kurzzeitig ging es talwärts bis auf etwa 3.975 US$ je Unze. Wurde Gold an den ersten beiden Handelstagen dieser Woche mal über, mal knapp unter 4.000 US$ je Unze gehandelt, stabilisierte es sich seit gestern etwas und notierte in der Spitze bei rund 4.082 US$ je Unze. Heute Morgen um 7.30 Uhr wird Gold bei 4.030 US$ je Unze gehandelt.
Xetra-Gold: Schwächerer Euro dämpft Verluste
Der Xetra-Gold-Preis gab somit ebenfalls etwas nach, jedoch weniger stark, auch dank des schwächeren Euro gegenüber dem US-Dollar. Während der üblichen Handelszeiten stieg er von 117 € pro Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen noch am selben Tag auf etwa 118,7 € pro Gramm. Am Freitag ging es dann aber abwärts bis auf 114,2 € pro Gramm. In der ersten Wochenhälfte erholten sich die Kurse dann wieder moderat bis auf 117,7 € pro Gramm. Sollte der Preis zum Handelsstart nachher auf dem derzeitigen Niveau bleiben, würde Xetra-Gold aktuell jedoch etwas tiefer als zu diesem Zeitpunkt in der Vorwoche notieren, nämlich bei 116,6 € pro Gramm.
Ausblick: US-Zwischenwahlen rücken in den Fokus
Auch die EZB dürfte die Leitzinsen unverändert belassen, ebenso wie morgen die Bank of Japan. Somit dürfte sich die Aufmerksamkeit nun in Richtung der US-Zwischenwahlen am kommenden Dienstag verschieben, insbesondere mit Blick auf die potenziellen Auswirkungen der Wahlen auf die Lage im Nahen Osten. Zudem stehen am 4. November die Inflationsdaten für die Eurozone an.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein nicht mehr so stürmisches Wochenende und hoffe, dass Sie an Halloween von Streichen verschont bleiben. Aus logistischen Gründen komme ich erst wieder Mitte November dazu, diesen Marktkommentar zu verfassen, dann aber hoffentlich mit erfreulicheren Neuigkeiten, nachdem der „goldene Oktober“ diesmal offenbar ausgefallen ist …