Sommerschlussverkauf
Marktkommentar Michael Blumenroth – 28.08.2025
Wöchentlicher Marktbericht
Die Reiferen und Erfahreneren unter uns können sich vielleicht noch an die Sommerschlussverkäufe früher und die infolgedessen immer von großem medialem Echo begleiteten „Kämpfe an den Wühltischen“ erinnern. Diese speziellen Schlussverkäufe gibt es ja nun schon lange nicht mehr. Aber in den vergangenen Tagen konnte man ab und an doch fast den Eindruck gewinnen, dass auch auf dem Goldmarkt zum Ende des meteorologischen Sommers ein paar Schnäppchenjäger unterwegs sein könnten.
Dabei gibt es durchaus fundamentale Gründe dafür, dass die Goldpreise gestern an der Marke von 3.400 US$ pro Unze kratzten und sich somit im Wochenverlauf ein ganzes Stück verteuerten:
- Den entscheidenden Schubser aufwärts bekamen die Goldpreise von der Rede des Gouverneurs der US-Notenbank Fed am vergangenen Freitag in Jackson Hole. Powell deutete an, dass sich die Risiken insbesondere am US-Arbeitsmarkt zuletzt verstärkt hätten, so dass es möglicherweise im September zu einer Zinssenkung der Fed kommen könnte. Im Anschluss an die Rede gaben die Renditen kurzlaufender US-Staatsanleihen ebenso nach wie der US-Dollar, denn an den Märkten wird eine Zinssenkung nun als so gut wie sicher eingepreist.
- In Frankreich kommt es erneut zu einem Misstrauensvotum gegenüber dem Premierminister Bayrou, und zwar am 8. September. Dies könnte den Sturz der Regierung bzw. Neuwahlen zur Folge haben und den Einstieg in Sparmaßnahmen zum Abbau der hohen Staatsverschuldung in Frankreich weiter verzögern.
- US-Präsident Trump entließ in der Nacht auf Dienstag die Fed-Gouverneurin Lisa Cook. Wenngleich noch offen ist und vermutlich auf gerichtlichem Wege geklärt werden muss, ob die Entlassung in dieser Form überhaupt rechtens ist, weckte dieses Vorgehen an den Märkten erneut die Sorgen vor einer zunehmenden politischen Einflussnahme auf geldpolitische Entscheidungen der Fed. Insbesondere, da Vertreter der US-Regierung sich trotz weiterhin über der Zielmarke liegenden Inflationsraten für kräftige Zinssenkungen aussprechen.
Gold wurde also zunächst durch die sinkenden Renditen und den zeitweise schwächeren US-Dollar attraktiver. Die politischen Entwicklungen sprechen eher wieder für verstärkte Käufe aus „sicheren Hafen“-Überlegungen heraus.
Goldpreise verzeichnen leichten Anstieg
Der Goldpreis setzte zunächst von 3.340 US$ je Unze am Donnerstagmorgen vergangener Woche auf ein Wochentief bei 3.322 am Freitagnachmittag vor Powells Rede zurück. Nach der Rede sprangen die Notierungen bis auf knapp 3.380. Nach einem kurzen Rücksetzer auf 3.352 Dienstagnacht ging es gestern Nachmittag aufwärts bis auf 3.399. In den heutigen Handelstag startet Gold bei rund 3.390 US$ je Unze.
Der Xetra-Gold-Preis bewegte sich relativ parallel zu den Notierungen in US-Dollar, wobei der starke Euro ihn am vergangenen Freitag zunächst noch etwas ausbremste. Während der üblichen Handelszeiten sank er zunächst von 92,15 € pro Gramm am Donnerstagmorgen gleichtägig bis auf etwa 91,80. Trotz einiger kurzzeitiger Rücksetzer kletterte er aber dann aufwärts bis auf 93,95 gestern Nachmittag. Sollte der Preis von 8 Uhr auch zum Handelsstart noch gültig sein, dürfte Xetra-Gold heute Morgen bei etwa 93,65 € je Gramm in den Handel starten.
Am morgigen Freitag wird die PCE-Kernrate für den Juli in den USA veröffentlicht und sicherlich große Aufmerksamkeit finden. Hier könnte nämlich die Rate auf ein 18-Monats-Hoch gestiegen sein. Nach dem „Labor Day“-Feiertag am Montag in den USA werden wir in der kommenden Woche mit einer Vielzahl an US-Daten auf Trab gehalten.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein nicht allzu verregnetes letztes August-Wochenende.