Hochs und Tiefs: der Goldpreis im Lauf der Geschichte

Aktuelles 24.07.2015

Gold hat schon immer eine große Rolle als Wertgegenstand und Zahlungsmittel gespielt – bereits in der Antike. Allerdings fehlten lange einheitliche Standards, um den Goldwert zu bemessen. Erst unter dem lydischen König Krösus wurden um 560 v. Chr. Goldmünzen als Zahlungsmittel eingeführt, die mit Prägestempel und einheitlicher Größe einen gewissen Qualitätsstandard boten. Obwohl sich Gold schon damals durch eine hohe Wertstabilität auszeichnete, änderte sich der Preis ständig und sprunghaft: Eine schlechte Ernte, kriegerische Auseinandersetzungen oder schwächere Goldfördermengen ließen den Goldpreis schnell und stark ansteigen. Schon damals erwies sich Gold als die primäre harte Währung in Krisenzeiten.

Im ständig expandierenden Römischen Reich wurde ca. 225 v. Chr. mit dem „Aureus“ die erste Goldmünze als standardisiertes Zahlungsmittel eingeführt. Der Aureus hatte ein Gewicht von ca. 7,8 Gramm, womit er nach heutigen Maßstäben einen Wert von mehr als EUR 260 hätte. Damals war Gold viel zu selten – und Goldmünzen demnach viel zu wertvoll– um sich als Massenzahlungsmittel durchzusetzen. Deshalb übernahmen Münzen aus dem viel einfacher zu beschaffenden Metall Silber diese Funktion. Doch die ständigen Neuprägungen von Silbermünzen zur Finanzierung der Staatsausgaben überfluteten den Markt und führten zu einer anhaltenden Inflation. Gleichzeitig verloren die Silbermünzen auch substanziell kontinuierlich an Wert, weil sie immer weniger Silber enthielten. Im 3. Jahrhundert schließlich kam es zum völligen Zusammenbruch der Silberwährung, worauf Kaiser Konstantin der Große sie durch den „Solidus“ ersetzte, eine Goldmünze mit sehr stabilem Wert, da nicht nur auf eine einheitliche Größe, sondern erstmals auch auf einen hohen Goldgehalt geachtet wurde.

Gold als Leitwährung erstmals in der Spätantike

Die gehobenen Standardisierungsansprüche an Größe und Reinheitsgrad verliehen der neuen Goldwährung eine bis dahin unerreichte Wertstabilität und hatte zur Folge, dass sich der Solidus rasch als Leitwährung in Europa, Nordafrika und Vorderasien durchsetzte und diese Stellung bis ins 12. Jahrhundert erfolgreich verteidigte. Der Solidus hatte ein Gewicht von 4,55 Gramm, was einem heutigen Wert von rund EUR 161 entspräche. Mit dem Niedergang des oströmischen Reichs, Byzanz, verlor der Solidus an Bedeutung und verschwand schließlich ganz. Die Goldzirkulation bei staatlichen Institutionen nahm deutlich ab, und Gold wurde zunehmend nicht mehr als Zahlungsmittel, sondern als Wertanlage gesehen. Erst mit dem ersten Kreuzzug ab 1095 und dem zunehmenden Freihandel wurden wieder Goldwährungen eingeführt, die auch erstmals als internationale Währungsreserven breite Anwendung fanden. Zu diesen neuen Währungen zählten der Florin aus Florenz, der Dukat aus Venedig und der Genovino aus Genua.

Lange erwiesen sich die goldbasierten Währungen als extrem preisstabil, bis zu Beginn des 14. Jahrhunderts eine kontinuierliche Wertsteigerung des Rohstoffs Gold eintrat, die fast 200 Jahre lang andauerte. Die Gründe hierfür waren vielfältig: Zum einen wurde immer weniger neues Gold gefördert, was am allgemeinen Niedergang des Bergbaus und dem mangelnden Fortschritt der Fördermethoden lag, zum anderen wurde durch Kriege, Seuchen und Hungersnöte die Bevölkerung Europas so stark dezimiert, dass die Produktion von Goldmünzen nicht mehr mit dem Bedarf Stand halten konnte, da schlicht die Arbeitskräfte fehlten. Dieser Zustand der Dauerdeflation änderte sich erst mit der Entdeckung Amerikas 1492 und die nachfolgende Ausbeutung durch die spanischen „Conquistadores“.

Inflation durch explosionsartige Zunahme der Goldmenge

Durch die Entdeckung Amerikas und die Plünderung der Goldschätze der Inkas und anderer mittelamerikanischer Völker gelangten binnen kurzer Zeit bis dahin unvorstellbare Mengen Goldes nach Europa. Als Konsequenz geschah exakt dasselbe, was passiert, wenn Regierungen die Gelddruckmaschinen anwerfen: Es kam zu einer Inflation – und zwar europaweit, da die Goldwährungen länderübergreifend galten. Die stetige Inflation bescherte im 16. Jahrhundert der – neben Portugal – politisch und wirtschaftlich dominierenden Weltmacht Spanien eine Preissteigerung von 400 Prozent, was ca. 1,6 Prozent p.a. entspricht – heute eine Selbstverständlichkeit, damals eine bis dato unbekannte Teuerungsrate, die als „Preisrevolution“ verstanden wurde.

Eine weitere Abwertung erlitten Goldmünzen durch eine stetige Verschlechterung der Münzqualität durch Minderung des Goldgehalts, was massenhaften betrügerischen Manipulationen geschuldet war, wie z.B. der Beimischung von Kupfer beim Umschmelzen von Goldmünzen. Hier zeigte sich bereits die doppelte Funktion von Gold sowohl als Währung als auch als wertvoller Rohstoff. Ihren Höhepunkt fand die durch Goldmünzverschlechterung befeuerte Inflation im Siebenjährigen Krieg Mitte des 18. Jahrhunderts.

Vom Bimetallismus zum klassischen Goldstandard

Nachdem die durch die Ausbeutung der mittelamerikanischen Völker ausgelöste Goldschwemme versiegt war und der Goldpreis immer wieder starken Schwankungen unterlag, gewann in vielen Ländern neben Gold auch Silber wieder als Leitwährung an Bedeutung. Im sogenannten Bimetallismus wurde das Wertverhältnis von Silber und Gold gesetzlich festgeschrieben. Auf diese Weise konnte das Volumen international anerkannter Zahlungsmittel vergrößert werden, ohne den Wert von Gold zu verwässern.

Als erstes Land führte das britische Empire, das Spanien und Portugal als Welt- und Kolonialmacht abgelöst hatte, mit dem sogenannten „Coin Act“ den Goldstandard ein: Am 22. Juni 1816 erklärte Großbritannien die Goldwährung offiziell zur Landeswährung. Dies bedeutete für andere Länder eine indirekte Einführung des Goldstandards, denn aufgrund der führenden Rolle des Empire in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen- und der Finanzpolitik koppelten immer mehr Länder ihre Währungen an das Pfund Sterling. Die offizielle Einführung der Goldwährung geschah in den meisten Ländern erst sehr viel später: 1871 in Deutschland, 1874 in Frankreich und der Schweiz, und 1897 in Russland und Japan. Die USA hielten lange am Bimetallismus fest, führten aber 1879 ebenfalls den Goldstandard ein, nachdem das Edelmetall im Zuge des kalifornischen Goldrauschs gegenüber Silber immer höher bewertet wurde.

Gold war übrigens auch der Auslöser des allerersten schwarzen Freitags an der New York Stock Exchange am 24. September 1869: Beim Versuch, die Kontrolle über den Goldmarkt zu bekommen und damit den Goldpreis zu bestimmen, brachten die beiden Spekulanten James Fisk und Jay Gould den Markt zum Zusammenbruch, da der Goldpreis explodierte.

Einen der wohl extremsten Anstiege verzeichnete der Goldpreis jedoch in Deutschland während der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1920er Jahre: Verdreifachte sich der Wert der Goldmark im Vergleich zur Papiermark von Ende 1920 auf Ende 1921 noch „moderat“, stieg er bis Dezember 1922 schon um fast das Vierzigfache auf 1.807,83 Papiermark und erreichte bis Ende des Folgejahres den Wert von unfassbaren1.000.494.971.000,00 Papiermark.

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs war die Rückkehr zum zeitweise ausgesetzten Goldstandard nur bedingt erfolgreich, die Weltwirtschaftskrise und die Bankenkrise in den USA Anfang der 1930er Jahr führten dazu, dass viele Länder vom Goldstandard abrückten. Erst 1944 wurde mit dem Bretton-Woods-System ein auf dem Goldstandard basierendes internationales Währungssystem wiedereingeführt; diesmal mit dem US-Dollar als Leitwährung. Im Gegensatz zum „Coin Act“ Großbritanniens waren diesmal die Wechselkurse nicht fix, sondern verfügten über eine gewisse Bandbreite. Erst 1973 wurde das Bretton-Woods-System abgeschafft und die Wechselkurse freigegeben. Dies machte sich sehr schnell beim Goldpreis bemerkbar: Entwickelte sich der Goldkurs über viele Jahrzehnte im 20. Jahrhundert eher gemächlich, aber stetig nach oben, legte er nach dem Ende von Bretton-Woods deutlich zu und erreichte Anfang der 1980er einen vorläufigen Rekordwert von mehr als USD 600 pro Feinunze, der allerdings im Zuge der weltweiten Finanzkrise mehr als eingestellt wurde. Bis 2010 verdoppelte sich der 1980 aufgestellte Rekordkurs und verblieb bis heute auf einem – historisch gesehen – einmaligen Niveau.

Arnulf Hinkel
Freier Finanzjournalist

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