Bevor 1973 der letzte bestehende globale Goldstandard – das Bretton-Woods-System – aufgegeben wurde, mussten Notenbanken Goldreserven halten, um damit ihre Fiatwährungen abzusichern und so das weltweite Währungssystem zu stabilisieren. 1970 lagerten deshalb nach Angaben des World Gold Council, dem Branchenverband der Goldindustrie, 36.606 Tonnen Gold in den Tresoren der Notenbanken. Ende 2025 waren es 36.535 Tonnen, kaum weniger. Was veranlasst Zentralbanken dazu, auch nach dem Ende jeglicher Dollar-Goldpreisbindung derartige Mengen des Edelmetalls zu halten – und die eigenen Goldreserven in den letzten Jahren sogar noch auszubauen?
Zinsniveau und geopolitische wie wirtschaftliche Stabilität
Laut den Mitte Juni 2026 veröffentlichten Ergebnissen einer weltweiten Zentralbankenumfrage im Auftrag des World Gold Council ist das Zinsniveau für 92 Prozent der befragten Institute der wichtigste Entscheidungsfaktor beim Management der Währungsreserven. Dicht dahinter folgen in diesem Jahr geopolitische Instabilität mit 88 Prozent und Inflationsängste mit 79 Prozent. Als weitere wichtige Faktoren wurden unter anderem potenzielle Handelskriege und Verschiebungen im globalen wirtschaftlichen Machtgefüge genannt.
Langfristiger Nutzen von Gold zählt zu den wichtigsten Kaufmotiven
Hinsichtlich der Faktoren, die grundsätzlich für Bildung und Ausbau von Goldreserven ausschlaggebend sind, sahen die befragten Notenbanker drei Motive ganz vorne: 90 Prozent nannten die Performance von Gold in Krisenzeiten als sehr wichtig oder wichtig, 84 Prozent die bedeutende Rolle von Gold bei der Portfoliodiversifikation und 82 Prozent seine Funktion als langfristiger Wertspeicher. Als weitere zentrale Motive für den Ausbau der Goldreserven wurden der Schutz vor geopolitischen Risiken sowie die Tatsache genannt, dass Gold als Anlageklasse kein vollständiges Ausfallrisiko birgt. All dies zeigt, dass Notenbanken Gold zur Absicherung von Währungsschwankungen auch heute noch als unverzichtbar einstufen. In den letzten Jahren ist bei Schwellenländern zudem das Bestreben hinzugekommen, unabhängiger vom US-Dollar zu werden.