Wie hängen Gold- und Ölpreis zusammen?

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Seit der Schließung der Straße von Hormus infolge der militärischen Kampfhandlungen der USA und Israel gegen Iran scheint es, als regiere der Goldpreis sehr empfindlich – und zwar negativ – auf Preisanstiege von Rohöl. Korrelieren die Preise der beiden Rohstoffe also tatsächlich negativ, wie es die Preisentwicklung der letzten Wochen suggeriert? Und falls ja, warum? Eine Analyse des langfristigen Preisverhältnisses von Gold zu Rohöl beantwortet diese Fragen – und erklärt auch die aktuelle Situation in Bezug auf beide Rohstoffe.

Die Entwicklung der Öl-Gold-Ratio in den letzten 80 Jahren

Eine Unze Gold entsprach seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems und der damit verbundenen Freigabe des Goldpreises im Jahr 1973 meist einem Wert von 10 bis 30 Barrel Rohöl. Der durchschnittliche Gegenwert zwischen 1970 und 2010 lag bei 17 Barrel. Davor – in den 1960ern und zu Beginn der 1970er Jahre – lag das Öl-/Goldpreis-Verhältnis, das als WTI/Gold-Ratio (Western Texas Intermediate) täglich berechnet wird, bei knapp 11 Barrel pro Unze Gold. In den 2010er Jahren stieg die WTI/Gold-Ratio auf durchschnittlich 14,8, bevor sie in den Krisenjahren seit 2020 mit 30,66 ihren vorläufigen Gipfel erreichte. Im ersten Jahr der Corona-Pandemie stieg die Ratio über 90. Seit 2024 rangierte sie zwischen 27 und 39 Barrel pro Unze.

Warum Gold trotz Ölpreisrally stark bleibt

Seit der Blockade der Straße von Hormus ist der Rohölpreis zeitweise über 50 Prozent gestiegen, was weltweit und in vielen Branchen große – und durchaus realistische – Ängste vor hohen Teuerungsraten schürt. Auch den Goldpreis belastet diese Entwicklung, da als Reaktion auf die steigende Inflation üblicherweise Leitzinserhöhungen drohen, was Staatsanleihen und Geldmarktprodukte gegenüber Gold attraktiver macht. Nichtsdestotrotz liegt die WTI/Gold-Ratio zurzeit (Stand 8. Mai 2026) bei fast 50 Barrel pro Unze Gold. Das Edelmetall hat demnach in den letzten 80 Jahren deutlich mehr an Wert hinzugewonnen als Öl. Vor diesem Hintergrund relativieren sich auch die aktuellen Kursverluste von Gold.