Seien es die ungewohnt hohen Temperaturen, eine Frühjahrsmüdigkeit, Erschöpfung der Händler, die sich bei den Metallica-Konzerten an Pfingsten in Frankfurt verausgabt haben, oder Dispositionen der Marktakteure zum Monatsende – so richtig in Form gekommen sind die Goldpreise in dieser Woche sicher nicht. Und dies, obwohl Ende vergangener Woche und auch nach dem in den USA, Großbritannien und Deutschland langen Wochenende sowohl die Ölpreise als auch die Renditen der Staatsanleihen den Rückwärtsgang eingelegt hatten. Dies hätte das gelbe Metall normalerweise im aktuellen Umfeld stützen müssen.
Aktienrekorde und Zinspolitik bremsen Goldnachfrage
Zwei Erklärungen würden sich aus meiner Sicht anbieten: Zum einen dürften die nahezu im Tagesrhythmus erzielten neuen Rekordhöchststände der US-amerikanischen Aktienindizes zur Folge haben, dass insbesondere Großanleger momentan stärker in Aktien(-indizes) als in Gold investieren. Zum anderen haben zuletzt einige Notenbanken in Asien mit unerwartet kräftigen Leitzinserhöhungen die Märkte auf dem falschen Fuß erwischt. Und auch Vertrewter der EZB, der US-Notenbank Fed und der Bank of Japan deuteten eine zukünftig eher restriktivere Geldpolitik an – was in den meisten Fällen höhere Leitzinsen zur Folge haben sollte.
Belastungsfaktoren: Steigende Zinsen und starker US-Dollar
Dieses Umfeld zunehmend höherer Leitzinsen rund um den Globus belastet die Goldpreise zumindest auf kurze Sicht, da es ziemlich konträr zu dem Szenarion ist, von dem die meisten Marktakteure bis Ende Februar ausgegangen waren. Dies reflektiert sich in einer recht mauen Performance des edlen Metalls in den vergangenen Tagen – auch der festere Kurs des US-Dollars war nicht gerade hilfreich.
Goldpreisentwicklung: von Erholung zu deutlichem Rückgang
Notierten die Goldpreise am Donnerstagmorgen vergangener Woche bei rund 4.530 US$ pro Unze und zum Wochenschluss nicht wesentlich tiefer bei 4.510 ging es am Dienstag zum Handelsstart noch einmal aufwärts bis auf ein Wochenhoch bei 4.580. Seitdem blickt das edelste aller Metalle jedoch südwärts. Das bisherige Wochentief wurde nach einem weiteren Abrutschen von 4.450 auf 4.367 US$ je Unze innerhalb kurzer Zeit heute Morgen markiert. Beim Schreiben dieser Zeilen wird das gelbe Metall mit 4.380 etwas höher gehandelt.
Xetra-Gold: Preisrückgang trotz schwächerem Euro
Der Xetra-Gold-Preis gab somit wenig überraschend ebenfalls nach, erneut etwas gebremst vom zum US-Dollar schwächeren Kurs des Euros: Während der üblichen Handelszeiten ging es von 125,25 € pro Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen zunächst aufwärts bis auf 126,35 zum Wochenbeginn. Auch hier wurde dann aber die Marschrichtung geändert, die Notierungen sanken bis auf 121,60 am gestrigen Mittwoch. Zum heutigen Handelsauftakt dürfte der Preis noch etwas niedriger, und zwar bei ungefähr 121,35 € pro Gramm notieren.
Geopolitische Risiken dominieren weiter das Marktgeschehen
Die Lage im Nahen Osten bleibt weiterhin das wichtigste Thema an den Märkten. Mit Beginn des neuen Monats am Montag wird sich eventuell erweisen, ob Gold dann wieder größeres Interesse auf sich ziehen kann. In der kommenden Woche wird zudem eine Vielzahl an US-Konjunkturdaten veröffentlicht werden.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen schönen Mai-Ausklang – zumindest über das Wetter müssen wir uns ja nicht beklagen.