Gerne als „Das Gold des kleinen Mannes“ oder „Der kleine Bruder von Gold“ bezeichnet, hat Silber besonders im gerade beendeten Jahr für Furore gesorgt, da es die ausgezeichnete Wertentwicklung von Gold – 45 Prozent allein 2025 und mehr als 278 Prozent in den letzten zehn Jahren – sogar noch übertroffen hat: In den letzten zwölf Monaten verteuerte sich Silber um 116 Prozent, in den letzten zehn Jahren um 388 Prozent. Wie Gold gilt auch Silber langfristig als Wertspeicher und ist im Handel hochliquide. Es gibt jedoch wichtige Unterschiede zwischen den beiden Edelmetallen, die man sich vor einer Anlageentscheidung bewusst machen sollte.
Gold bietet eine deutlich bessere Portfoliodiversifikation
Gold verhält sich gegenüber Aktien bzw. Anleihen in ruhigen Konjunkturphasen weitgehend neutral, während sich der Goldpreis in Krisenzeiten konträr zu dem von Aktien und Anleihen entwickelt. Im Gegensatz zu Gold wird Silber zu einem deutlich geringeren Anteil als Anlageklasse genutzt – der Löwenanteil der jährlichen Silberproduktion fließt in industrielle Anwendungen. Das bedeutet, dass sich Silber tendenziell analog zu Aktien entwickelt. Auch verhält sich der Silberpreis deutlich volatiler als der von Gold. Diese beiden Faktoren führen dazu, dass Silber nicht so effektiv als Diversifikator und Portfoliostabilisator fungiert wie Gold. Ein vollwertiger Ersatz für Gold im Portfolio ist Silber somit definitiv nicht.
Gold und Silber: im Portfolio eher ein komplementäres Verhältnis
Da Silber vor allem in Zukunftstechnologien wie Elektromobilität, Solarenergie, Medizintechnik oder Elektronik eingesetzt wird, kann es die Portfolio-Performance vor allem in Phasen konjunkturellen Aufschwungs in diesen Branchen unterstützen, während Gold stärker in Krisenzeiten glänzt. 2025 traten global gesehen beide Zustände ein, weshalb die beiden Edelmetalle gleichzeitig Rekordhochs erlebten.
Die Gold/Silber Ratio: Bewertungshilfe für Anleger
Mit der Gold/Silber-Ratio wird das Verhältnis des Goldpreises zum Silberpreis für einen bestimmten Zeitpunkt berechnet. Dabei wird der Goldpreis durch den Silberpreis dividiert. Diese einfache Kennzahl drückt aus, welches der beiden Edelmetalle momentan überbewertet oder unterbewertet ist – und erlaubt Prognosen für die Preisentwicklungen in der näheren Zukunft. Ein Wert zwischen 40 und 80 wird von Profis als ausgewogen angesehen. Ein Blick auf die letzten 50 Jahre bestätigt dies: Die Gold/Silber-Ratio lag im Durchschnitt bei 65. Liegt der Wert über 80, gilt Silber als unterbewertet und könnte demnächst teurer werden. Liegt die Gold/Silber-Ratio bei unter 40, ist Silber im Vergleich zu Gold eher teuer und könnte an Wert verlieren. Anfang Januar 2026 lag der Wert bei 58 – also ein ausgewogenes Verhältnis, d.h. empirisch gesehen sind bei beiden Edelmetallen keine größeren Preisanpassungen zu erwarten. Die Gold/Silber-Ratio wird oft auch als Entscheidungshilfe dafür empfohlen, ob man aktuell eher Gold oder Silber kaufen sollte – dies ist jedoch nur für Anleger hilfreich, die beide Anlageklassen im Portfolio haben wollen.