Keine Sonnenfinsternis für Gold

Marktkommentar

Vergangenen Mittwochabend dürften viele Leserinnen und Leser Zeuge des Naturspektakels einer partiell vom Mondschatten verdunkelten Sonne geworden sein. Der Autor dieser Zeilen war zwar bei einem Open-Air-Konzert, hat von alledem aber dennoch nichts mitbekommen. Auch für die Goldpreise schien in den vergangenen Tagen die Sonne – nur kurz unterbrochen am Freitag, als es einen kleinen kurzzeitigen Rücksetzer gab.

Schwache US-Konjunkturdaten stützen Gold

Im Großen und Ganzen erhielt Gold in den vergangenen Tagen weiteren Rückenwind durch einige unterhalb der Erwartungen liegenden Konjunkturdaten aus den USA, insbesondere enttäuschten zuletzt die Einzelhandelsumsätze. Dies senkte aus Finanzmarktsicht die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank in den kommenden Monaten die Leitzinsen erhöhen wird, was in der Tendenz die Goldpreise stützt.

Kurssprung dank Ankündigung des US-Finanzministeriums

Gerade als die Goldpreise sich nach ihrem Gipfelsturm der vergangenen zwei Wochen scheinbar etwas schwertaten, huschte gestern Nachmittag dann eine Nachricht über die Ticker, die für ordentlichen Rückenwind sorgte: Das US-Finanzministerium kündigte nämlich eine Ausweitung der Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen an, was die an den beiden Vortagen deutlich angestiegenen Renditen abwärts drückte. In Folge des Rückgangs der Renditen gab auch der US-Dollar spürbar nach, zum Euro sank er auf das tiefste Niveau seit Anfang Mai. Der Goldpreis schloss gestern verglichen mit dem Vortagesschluss mehr als 4 Prozent fester.

Ausgerechnet in der Woche, die im Vorfeld als die vermeintlich ruhigste Woche dieses Sommers an den Märkten erwartet wurde, ging es also ordentlich zur Sache. Dass die Bäume für die Goldpreise noch nicht in den Himmel wachsen, dafür dürften wiederum die Ölpreise sorgen, die in den vergangenen Tagen aufgrund der mangelnden Fortschritte im Nahostkonflikt spürbar angestiegen sind. Dies könnte die Inflationsraten mittelfristig hochhalten und somit Leitzinserhöhungen der Notenbanken rund um den Globus bedingen.

Goldpreis-Wochenverlauf: Zwischen Rücksetzer und neuem Hoch

Notierten die Goldpreise am Donnerstagmorgen vergangener Woche bei rund 4.385 US$ je Unze, sanken sie am Freitag im Tagestief noch einmal zurück auf 4.312, beendeten die Woche dann aber bei 4.375. Nachdem die Goldpreise seit Wochenbeginn meist seitwärts um die Marke von 4.400 handelten, und sich gestern Morgen aufgrund der immer weiter gen Norden kletternden Ölpreise abwärts orientierten, rettete die oben erwähnte Meldung über die Ankäufe langlaufender Staatsanleihen durch das US-Finanzministerium den Tag für die Goldfans. Das bisherige Wochenhoch wurde heute Nacht bei etwa 4.527 markiert. Beim Schreiben dieser Zeilen notiert Gold mit 4.485 US$ je Unze etwas niedriger.

Xetra-Gold-Preis zieht ebenfalls an

Der Xetra-Gold-Preis legte somit im direkten Vergleich zur Vorwoche ebenfalls zu. Während der üblichen Handelszeiten sank er zwar zunächst von 122,50 € pro Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen auf 120,20 € am Freitag. Gestern Nachmittag zog der Preis dann bis auf 124,40 € an und eröffnete den heutigen Handelstag bei 123,60 € pro Gramm.

Ausblick: Zinsentscheide der Notenbanken im Fokus

Mit dem Symposium der US-Notenbank Fed in Jackson Hole am letzten August-Wochenende zeichnet sich allmählich das Ende des Sommers ab – die kürzer werdenden Tage weisen ja auch darauf hin. Im September dürfte dann die Geldpolitik der Notenbanken im Fokus stehen, da nahezu alle bedeutenden Notenbanken sich zu Zinsentscheiden versammeln werden. In den kommenden Tagen und Wochen dürften die Goldpreise sich somit weiterhin an Daten orientieren, die den Notenbanken Entscheidungshilfen für ihre Geldpolitik geben werden. Die Goldhändler werden dabei weiterhin einen Blick auf die Renditen der Staatsanleihen und die Ölpreise werfen.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein paar schöne, goldene Spätsommertage.