Goldpreis: Harte Grätsche der Fed

Marktkommentar

Viele Leserinnen und Leser dürften momentan die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft verfolgen. Schon erstaunlich, wie treffsicher sich einige vor der WM als „alte Herren" titulierte Fußballprofis zuletzt gezeigt haben – ich denke da primär an die Herren Messi und Ronaldo. Nichtsdestotrotz dürfte es vermutlich deren letzte Weltmeisterschaft sein, so wie Fed-Chair Jerome Powell auch im Mai seine letzte Sitzung als Fed-Vorsitzender geleitet hat. Nun war vergangene Woche sein Nachfolger Kevin Warsh erstmals in seiner neuen Rolle als Fed-Chair zu bewundern. Und das Ergebnis der Sitzung der US-Notenbank hatte es in sich. Um in der Fußball-Metapher-Welt zu bleiben: Die Fed grätschte den Goldpreisen ordentlich dazwischen.

Fed deutet überraschend Zinserhöhungen an

Völlig unerwartet für die Marktbeobachter war nämlich, dass – nachdem Kevin Warsh selbst keine Prognose abgab – neun der übrigen 18 Mitglieder des sogenannten Offenmarktausschusses die Meinung äußerten, dass sie bis zum Jahresende mindestens eine Leitzinserhöhung der US-Notenbank erwarten. Auch Kevin Warsh betonte im Rahmen seiner Pressekonferenz, dass die Fed alles dafür Nötige tun werde, um Preisstabilität zu generieren. Zudem sei der Arbeitsmarkt robust, die Wirtschaft wachse gut und die Stimmungsindikatoren deuteten auf eine weiterhin anhaltend starke Konjunktur sowohl bei den Industrie- als auch den Dienstleistungsbetrieben hin. Keinerlei Gründe erwähnte er hingegen, die für fallende Zinssätze hätten sprechen können.

Renditen und US-Dollar legen kräftig zu

Kaum ein Marktakteur hatte so deutliche Hinweise auf eine möglicherweise mittelfristig spürbar restriktivere Geldpolitik der Fed erwartet – schließlich rechneten viele eher mit einer Fortsetzung des Zinssenkungszyklus der Fed. Die Marktreaktion war dementsprechend heftig: Unmittelbar nach der Fed-Sitzung wurden zwei Leitzinserhöhungen für die kommenden Monate an den Terminmärkten eingepreist. Die Renditen der US-Staatsanleihen sprangen besonders in den kurzen Laufzeiten aufwärts. Dadurch erhielt auch der US-Dollar strammen Rückenwind, gestern wertete er zum Euro auf das höchste Niveau seit Anfang Juni 2025 auf.

Goldpreis fällt unter die Marke von 4.000 US$

Steigende Zinserhöhungserwartungen und Renditen, ein stärkerer US-Dollar – es kam, wie es nahezu lehrbuchgemäß kommen musste: Diese Gemengelage hatte die Qualität einer Grätsche, die den Goldpreisen die Beine wegzog (wobei hier keinerlei Unfairness im Spiel war, wir können also die „rote Karte" stecken lassen). Hatte ich mich letzte Woche am Dienstag noch gefreut, steigende Kurse vermelden zu dürfen, heißt es jetzt ganz tapfer zu sein…

Denn die Goldpreise notierten am Dienstagnachmittag vergangener Woche noch bei rund 4.340 US$ je Unze und kurz vor der Veröffentlichung des Statements der Fed gar bei 4.382 US$ je Unze. Nach der Pressekonferenz von Kevin Warsh ging es stramm talwärts bis auf 4.220 US$ je Unze. Die Woche beendete das gelbe Metall bei rund 4.150 US$ je Unze. Nach einem recht ruhigen Montag legte der US-Dollar am Dienstag kräftig zu, was den Goldpreisen einen weiteren Schubser talwärts verschaffte. In einer Art „Ausverkauf" fielen die Notierungen dann gestern innerhalb kurzer Zeit von 4.100 auf 3.960 US$ je Unze, das niedrigste Niveau seit November. Enttäuschend auch, dass die Nachfrage in Asien zurzeit dürftig zu sein scheint. Beim Schreiben dieser Zeilen am Donnerstagmorgen wird Gold bei rund 3.975 US$ je Unze gehandelt.

Xetra-Gold-Preis gibt ebenfalls deutlich nach

Der Xetra-Gold-Preis wurde durch den sinkenden EUR/USD-Kurs etwas gestützt, fiel aber trotzdem ebenfalls spürbar. Während der üblichen Handelszeiten stieg er von 120,20 € pro Gramm am vergangenen Dienstagnachmittag am Folgetag vor der Fed-Sitzung noch einmal auf 121,00 € pro Gramm. Zum Wochenschluss standen bereits 116,40 € pro Gramm an der Anzeigetafel. Und im bisherigen Wochentief ging es abwärts bis auf 112,50 € pro Gramm am gestrigen Nachmittag. Am heutigen Donnerstagmorgen dürfte der Xetra-Gold-Preis nur geringfügig fester bei rund 112,60 € pro Gramm in den Handelstag starten.

Spekulative Positionen werden aufgelöst

Möglicherweise sind beim Durchbrechen der magischen Marke von 4.000 US$ je Unze erst einmal viele Verkaufsorders ausgeführt worden, welche die schnelle Abwärtsbewegung gestern verstärkten. Die Positionierung der spekulativen Akteure hat zuletzt deutlich nachgelassen. Ich hatte bereits in der vergangenen Woche das ungute Bauchgefühl geäußert, dass die Goldpreise nicht positiver auf die fallenden Ölpreise reagierten. Dieses Gefühl hat sich nun etwas verstärkt. Momentan scheinen jedoch primär spekulative Positionen aufgelöst zu werden. Vielleicht kehren bei den niedrigeren Preisen die physischen Nachfrager bald wieder stärker an den Markt zurück. Dies könnte sich allerdings noch eine Weile hinziehen – der Hochsommer ist saisonal betrachtet oft eine nachfragearme Zeit. Wir werden es sehen und hoffen mal auf etwas niedrigere Temperaturen in der kommenden Woche.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein schönes Wochenende, eventuell gar einen guten Ferienstart (bei uns in Hessen beginnen die Schulferien) sowie genügend Wasserkästen im Kühlschrank.