Eindeutig im Fokus der Finanzmärkte steht momentan der erneute starke Anstieg der Preise für Erdöl und Erdgas sowie dessen potenzielle Implikationen hinsichtlich wachsender Inflationsgefahren. Mit zeitweise rund 108 US-Dollar je Barrel notierte Brent-Öl 50 Prozent höher als Anfang Juli. Die Preise für Erdgas an der niederländischen Terminbörse TTF sprangen gar auf das höchste Niveau seit Ende 2022.
Renditen von Staatsanleihen ziehen an
Die hohen Preise für Energierohstoffe könnten mittelfristig den Inflationsdruck weiter erhöhen und somit Leitzinserhöhungen von Notenbanken erfordern. Dies wiederum wurde an den Anleihemärkten in den vergangenen Tagen mittels eines deutlichen Renditeanstiegs reflektiert. Leitzinserhöhungen bewirken gewöhnlich primär eine Erhöhung der Renditen kurzlaufender Staatsanleihen. Da aber an den Finanzmärkten das Thema der stark wachsenden Staatsverschuldung vieler Länder momentan ebenfalls eine große Rolle spielt, sind auch die Renditen langlaufender Staatsanleihen merklich angezogen. Beispielsweise näherten sich die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen der Marke von 5 Prozent, während diejenigen der deutschen Bundesanleihen mit 3,51 Prozent so hoch rentierten wie zuletzt im Jahr 2009. Auch in anderen Ländern der Eurozone, Japan, Kanada, Australien usw. stiegen die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen deutlich an.
EZB erhöht Leitzins erneut
Die EZB schritt derweil bereits gestern zur Tat und erhöhte die Leitzinsen erneut um 0,25 Prozentpunkte. Der Einlagensatz beträgt nun 2,5 Prozent. Das Statement der EZB wurde zudem an den Märkten dahingehend interpretiert, dass weitere Zinserhöhungen folgen dürften. Die EZB erklärte nämlich, dass sie davon ausgeht, dass die Inflation für einen längeren Zeitraum deutlich über ihrem Zielwert von 2 Prozent bleiben wird. Infolgedessen wird nun an den Terminmärkten kräftig auf weitere Erhöhungen gesetzt: Bis Juni 2027 werden drei weitere Zinserhöhungen um je 0,25 Prozentpunkte eingepreist. Zudem wird an den Terminmärkten ebenfalls darauf gesetzt, dass die US-Notenbank Fed bis Juni 2027 ebenfalls drei Leitzinserhöhungen vornehmen wird – mit Spannung warten die Märkte hier auf die Fed-Sitzung Mitte kommender Woche.
Goldpreis unter Druck durch steigende Renditen
Steigende Zinsen und Renditen wirken tendenziell dämpfend auf die Goldpreise, was sich auch in den vergangenen Tagen zeigte. Schließlich zahlt Gold weder Zins noch Dividende.
Notierten die Goldpreise am Donnerstagmorgen vergangener Woche bei rund 4.425 US$ je Unze, stiegen sie gleichtägig noch einmal auf ein Wochenhoch von 4.510 an. Der kräftige Anstieg der Ölpreise und der Renditen sorgte dann jedoch dafür, dass sich die Goldpreise gen Süden orientierten, nachdem sie ein paar Tage um die Marke von 4.400 geschwankt hatten. Heute Nacht wurde das bisherige Wochentief bei 4.301 markiert. Daraufhin folgte jedoch eine schnelle Erholung auf aktuell 4.350 US$ je Unze.
Xetra-Gold-Preis mit ähnlichem Verlauf
Der Xetra-Gold-Preis gab ebenfalls moderat nach. Während der üblichen Handelszeiten stieg er zwar zunächst von 122,80 € je Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen bis auf 124,80 € am Donnerstagnachmittag. Anschließend ging es aber abwärts bis auf rund 119,45 € am gestrigen Donnerstag nach der EZB-Sitzung. Aktuell hat sich der Kurs leicht auf 120,50 € je Gramm erholt.
Ausblick: US-Verbraucherpreise im Fokus
Nach den starken Daten zum US-Arbeitsmarkt am vergangenen Freitag richten die Marktakteure heute Nachmittag ihr Augenmerk auf die Daten zu den US-Verbraucherpreisen im August und erhoffen sich Hinweise aus den Daten, ob die Fed am kommenden Mittwoch die Leitzinsen erhöhen wird oder nicht. Es bleibt also spannend!
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein erholsames Wochenende.