Im Nahen Osten nichts (bzw. wenig) Neues: Zwar veränderte immerhin Timmy, der gestrandete Buckelwal in der Ostsee, zuletzt seine Position (nicht ohne fremde Hilfe), die Schiffe vor der Straße von Hormus hingegen auch in dieser Woche unbewegt, da selbige weiterhin blockiert blieb. Der für die Finanzmärkte entscheidenden Frage, wann die sich stauenden Tanker und Schiffe endlich wieder freie Fahrt haben werden, sind wir bis dato in dieser Woche keinen signifikanten Schritt nähergekommen.
Steigende Ölpreise setzen globale Märkte unter Druck
Neben vielen anderen Rohstoffen sind hiervon u.a. die Ölexporteure im Nahen Osten stark getroffen. Was zur Folge hat, dass der Ölpreis Tag für Tag weiter ansteigt. Heute Morgen wurde Brent im Juni-Kontrakt bei mehr als 126 US-Dollar je Barrel gehandelt, das höchste Niveau seit 2022. Auch die Preise für Terminkontrakte auf den Dezember 2026 und für das Frühjahr 2027 stiegen zuletzt spürbar weiter an. Die in den vergangenen Wochen mehrfach erwähnte negative Korrelation zwischen den Gold- und Ölpreisen ist weiterhin intakt: Steigen die Ölpreise, sinken die Gold (und Silber-)preise und umgekehrt. Dies lässt sich weiterhin mit steigenden Inflationserwartungen erklären. Beispielhaft mag eine Umfrage der EZB dienen: Gemäß der monatlichen Verbraucherumfrage der Europäischen Zentralbank sind die Inflationserwartungen der Konsumenten nämlich im Euroraum im März spürbar angestiegen. Für die kommenden zwölf Monate erwarten die Befragten nun einen Preisanstieg von 4,0 Prozent, nach 2,5 Prozent im Februar.
Inflationserwartungen steigen – Zinserhöhungen wieder im Fokus
Diese steigenden Inflationserwartungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass für einige Notenbanken, von denen noch im Februar eher weitere Leitzinssenkungen in diesem Jahr erwartet wurden, nun verstärkt Leitzinserhöhungen an den Terminmärkten eingepreist werden. Exemplarisch sei hier wieder die EZB genannt, für die Stand heute Morgen drei Zinserhöhungen zu jeweils 0,25 Prozentpunkten bis zum Jahresende eingepreist sind. Je höher der „sichere“ Zinssatz, desto schlechter ist dies für das weder Zins noch Dividende zahlende Gold. Heute Nachmittag tagen sowohl die Bank of England als auch die EZB. Da können die Finanzmärkte und Analysten ihre Einschätzungen möglicherweise verifizieren (oder aber auch nicht…). Die US-Notenbank Fed hat bereits gestern Abend. Hier gab es drei Mitglieder des Offenmarktausschusses, die sich gegen einen Hinweis auf weitere Leitzinssenkungen aussprachen. An den Terminmärkten wird mittlerweile eher darauf gesetzt, dass auch die Fed im Frühjahr 2027 stattdessen eher die Leitzinsen erhöhen würde.
Goldpreis unter Druck: Entwicklung der vergangenen Woche
Handelten die Goldpreise am Mittwochmorgen vergangener Woche noch bei rund 4.765 US$ pro Unze, ging es zunächst einmal moderat talwärts bis auf 4.710 zum Wochenschluss. Bis Dienstagmorgen hielt sich der Preis meist noch um das Niveau von 4.700 herum, bevor die immer weiter ansteigenden Ölpreise den Druck auf die Goldnotierungen verstärkten. Bereits am Dienstag fiel der Preis in Richtung 4.550, gestern ging es noch etwas weiter runter, nämlich bis auf etwa 4.510. Beim Schreiben dieser Zeilen am Donnerstagmorgen wird Gold etwas erholt bei rund 4.570 US$ je Unze gehandelt. Hier könnten Monatsenddispositionen oder die Suche nach „sicheren Häfen“ vor dem langen Wochenende in Großbritannien und in vielen anderen europäischen Ländern eine Rolle spielen.
Xetra-Gold: Schwächephase setzt sich fort
Der Xetra-Gold-Preis gab ebenfalls nach: Während der üblichen Handelszeiten ging es von 130,40 € pro Gramm zum Handelsauftakt am vergangenen Donnerstagmorgen zunächst nur sanft hinunter auf 129,70 zum Wochenschluss. Die Notierungen gerieten bereits zum Handelsstart am Montag, verstärkt dann aber ebenfalls am Dienstag unter Druck. Sie fielen gestern auf ein Wochentief bei etwa 124,10, bevor es auch hier zu einer moderaten Erholung kam. Heute Morgen dürfte Xetra-Gold bei rund 125,90 € pro Gramm in den Handelstag starten.
Ausblick: Feiertage und illiquide Märkte beeinflussen die Preisentwicklung
Nach den Notenbanksitzungen heute Nachmittag und dem Maifeiertag hierzulande morgen stehen rund um den Globus in der kommenden Woche weitere Feiertag im Kalender (Montag in Großbritannien sowie eine ganze Reihe an freien Tagen in Japan und China). Dies dürfte den Handel besonders in Asien illiquider machen. Das „Schicksal“ der Goldpreise hängt kurzfristig weiter an der Entwicklung der Ölpreise.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen sonnigen Start in den Wonnemonat Mai.