Ein harter Kampf

Marktkommentar

Während die hiesigen Kicker sich schon etwas früher als geplant auf den Heimweg von der Fußball-Weltmeisterschaft gemacht haben und den Fortgang der WM nun am Fernseher beobachten dürfen, zeigten die Goldpreise zumindest gestern etwas mehr Kampfgeist. Wobei sie sich zugegebenermaßen weiterhin schwer taten.

Fed-Aussagen belasten Goldmarkt

Wir erinnern uns: In der vorvergangenen Woche hatte die US-Notenbank Fed betont, dass die Preisstabilität absolute Priorität für ihre Geldpolitik habe. Dies schürte bei vielen Marktakteuren die Erwartung robuster Zinserhöhungen und einer restriktiveren Geldpolitik. Diese hatten die Renditen der US-Staatsanleihen aufwärts befördert und dem US-Dollar Rückenwind verliehen. Beides wirkte lehrbuchgemäß negativ auf die Goldpreise ein. Zum Ende vergangener Woche hin beruhigten sich die Nerven der Zinsterminhändler etwas, aber die Renditen der US-Staatsanleihen verblieben auf relativ hohem Niveau, der US-Dollar ebenfalls.

Fed-Chef Warsh: Sinkende Inflationsrisiken stützen Gold

Etwas Erleichterung verspürten die leidgeprüften Gold-Anhänger dann gestern Nachmittag. Erstmals seit der Notenbanksitzung vor zwei Wochen äußerte sich der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh nämlich im Rahmen des jährlichen EZB-Symposiums in Sintra öffentlich zu den Themen Inflation und Geldpolitik. Er erläuterte, dass die Inflationsrisiken und -erwartungen in den vergangenen Wochen abgenommen hätten, insbesondere aufgrund rückläufiger Energie- und Benzinpreise. Er betonte aber erneut, dass das Inflationsziel der Fed in Höhe von 2,0 Prozent unverändert bleibe und weiterhin höchste Priorität besäße. Warsh vermied zwar jede Aussage über den künftigen Zinskurs und die künftige Geldpolitik. Die Finanzmärkte fokussierten sich aber auf seine Aussagen über sinkende Inflationsrisiken: Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen gaben während der Diskussion mit Warsh um mehr als 0,06 Prozentpunkte nach. Unterstützt wurde der Renditerückgang durch den etwas später veröffentlichten ISM-Index der US-Industrie, ein wichtiger Frühindikator. Der Subindex der Preise wies einen kräftigen Rückgang von 82,1 auf 73,0 Punkte aus, was darauf hindeutet, dass die Industrieunternehmen erwarten, dass der Preisdruck in den kommenden Monaten abnehmen wird.

Goldpreisentwicklung: von Wochentief zu neuem Aufwärtsimpuls

Dies gab den Startschuss für eine Bewegung der Goldpreise auf ein neues Wochenhoch, die durch einen gleichzeitigen Rücksetzer der Ölpreise unterstützt wurde. Notierten die Goldpreise am Donnerstagmorgen vergangener Woche noch bei rund 3.975 US$ je Unze, erholten sie sich bis zum Wochenschluss auf 4.090 US$ je Unze. Zum Wochenbeginn nahm der Druck auf das gelbe Metall jedoch wieder zu. Kurz vor dem Halbjahresende am Dienstag rutschte der Goldpreis auf 3.944 US$ je Unze ab, das niedrigste Niveau seit vergangenem November. Nach einigem Hin und Her über und unter die Marke von 4.000 US$ je Unze sprangen die Goldpreise gestern Nachmittag aus den eben erwähnten Gründen aufwärts bis auf rund 4.115 US$ je Unze. Zum Tagesende ging den Preisen dann aber etwas die Luft aus. Beim Schreiben dieser Zeilen am Donnerstagmorgen wird Gold bei rund 4.070 US$ je Unze gehandelt.

Xetra-Gold®: parallele Kursbewegung

Der Xetra-Gold-Preis zeigte einen nahezu parallelen Kursverlauf. Während der üblichen Handelszeiten stieg er von 112,60 € pro Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen bis auf 115,25 € pro Gramm zum Wochenschluss. Hier wurde das bisherige Wochentief zum gestrigen Handelsstart bei 111,70 € pro Gramm markiert, bevor es am Nachmittag dann einen kräftigen Hüpfer aufwärts auf 116,50 € pro Gramm gab. Am heutigen Donnerstagmorgen dürfte der Xetra-Gold-Preis bei rund 114,90 € pro Gramm in den Handelstag starten.

Ausblick: US-Arbeitsmarktdaten und möglicher Kurswechsel der Fed

Neues Halbjahr, neues Glück. Schauen wir mal, wie es weitergeht. Aufgrund der Feierlichkeiten rund um den Independence Day werden ungewöhnlicherweise die US-Arbeitsmarktdaten bereits am heutigen Donnerstag anstelle am Freitag veröffentlicht. Sollten diese wesentlich von den Erwartungen abweichen, könnte es noch einiges an Marktbewegungen nach sich ziehen. Ansonsten dürfte es einen ruhigen Wochenausklang geben. Sollten die Marktakteure zu der Überzeugung gelangen, dass die Fed vielleicht doch nicht mehr die Leitzinsen erhöhen muss, da das Inflationsgespenst sich nicht so hartnäckig zeigen würde, wie noch vor kurzem erwartet, könnte dies dem edelsten aller Metalle neuen Rückenwind verleihen. Schaun mer' mal, wie Franz Beckenbauer einst treffend sagte.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein schönes, sonniges Wochenende.