Arbeitsmarkt und Inflation

Marktkommentar

Zu den größten Rätseln der Menschheitsgeschichte gehört für mich die Tatsache, welche Bedeutung den zu Monatsbeginn veröffentlichten Daten zum US-Arbeitsmarkt an den Finanzmärkten immer wieder zugeschrieben wird. Die Anzahl der neu geschaffenen Stellen wird im Nachhinein sehr häufig kräftig revidiert, einige Daten beruhen eher auf Schätzungen und Umfragen als auf harten Fakten. Und einmal im Jahr kommt die große Revision der Stellenzuwächse, die nicht nur einmal dazu führte, dass knapp eine Million ursprünglich ausgewiesener Stellenzuwächse de facto nicht existierten.

Schwache US-Arbeitsmarktdaten sorgen für Rückenwind

Allerdings ist es genau dann sinnvoll, auf diese Daten zu blicken, wenn man davon ausgeht, dass die Mehrheit der anderen Marktakteure darauf blickt und im Falle einer starken Abweichung von den Prognosen entsprechend reagiert. Und genau dies war am vergangenen Freitag der Fall: Anstelle der erwarteten Stellenzuwächse von 80.000 wurden im Juli 23.000 Arbeitsplätze abgebaut. Und damit nicht genug: Die Zuwächse der beiden Vormonate wurden um 103.000 Stellen nach unten revidiert. Die Märkte reagierten lehrbuchgemäß: Die Wahrscheinlichkeit von Leitzinserhöhungen der US-Notenbank Fed wurde für die kommenden Monate an den Zinsterminmärkten etwas geringer eingepreist. Daraufhin sanken die Renditen der Staatsanleihen und der US-Dollar geriet etwas in die Defensive. Für die Goldpreise, die in der vergangenen Woche ohnehin schon den Marsch gen Norden angetreten hatten, bedeutete dies weiteren Rückenwind.

Verbraucherpreise treffen Prognosen punktgenau

Ebenfalls im Fokus der Märkte standen die gestern veröffentlichten Daten zu den Verbraucherpreisen in den USA, die im Falle einer deutlichen Abweichung von den Prognosen für starke Marktbewegungen hätten sorgen können. Allerdings trafen die Daten die Prognosen exakt. Somit gebührt denjenigen Respekt, die diese Prognosen erstellt haben. Dass die um Energie- und Lebensmittelpreise bereinigte Kernrate der Verbraucherpreise mit einem Anstieg von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr so moderat anstieg wie zuletzt im März 2021, ließ die Notwendigkeit einer Leitzinserhöhung der Fed im September als weniger dringlich erscheinen, was den Goldpreisen einen Hüpfer auf ein Zweimonatshoch bescherte. Heute Morgen notiert Gold etwas niedriger, was an dem nun wieder etwas festeren US-Dollar liegen könnte.

Goldpreis mit deutlichem Wochenplus

Notierten die Goldpreise am Mittwochnachmittag vergangener Woche noch bei rund 4.240 US$ je Unze, verabschiedeten sie sich am Freitag nach einem weiteren Schub aufwärts mit rund 4.345 US$ je Unze aus der Handelswoche. Der Rückenwind hielt bis gestern Nachmittag an. Das bisherige Wochenhoch wurde knapp unterhalb der Marke von 4.450 US$ je Unze markiert. Beim Schreiben dieser Zeilen um 08.00 Uhr notiert Gold mit 4.385 US$ je Unze jedoch etwas niedriger.

Xetra-Gold-Preis legt ebenfalls zu

Der Xetra-Gold-Preis legte in den vergangenen Tagen ebenfalls zu. Während der üblichen Handelszeiten stieg er recht kontinuierlich von 117,90 € pro Gramm am vergangenen Mittwochnachmittag auf 123,60 € pro Gramm gestern Nachmittag, eröffnete den heutigen Handelstag jedoch etwas niedriger bei 122,50 € pro Gramm.

Ausblick: Erzeugerpreise und geopolitische Risiken im Blick

Nach den US-Verbraucherpreisdaten ist vor den US-Erzeugerpreisdaten, die am heutigen Nachmittag veröffentlicht werden. Diese sind deshalb relevant, weil Teile dieser Daten in die PCE-Kernrate einfließen. Dabei handelt es sich um das Inflationsmaß, das von der Fed für ihre geldpolitischen Entscheidungen herangezogen wird. Die Finanzmärkte werden weiterhin in den Nahen Osten blicken, und die Entwicklungen dort werden Einfluss auf die Notierungen aller Anlageklassen haben. Ansonsten sind die nächsten Tage eher karg, was wichtige Makrodaten anbelangt. Zudem scheint sich ohnehin die Hälfte der Händler momentan im Urlaub zu befinden.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein schönes Sommerwochenende, bevor der Sommer in der kommenden Woche nun doch einmal eine Pause einzulegen scheint.