Überfällige Korrektur

Marktkommentar

In der vergangenen Woche hatte ich etwas über mögliche leichte Korrekturen der zuletzt nahezu exponentiell angestiegenen Gold- und Silberpreise im Vorfeld des nahenden Monatsendes geschrieben. Was dann allerdings am vergangenen Freitag und am Montag dieser Woche geschah, hätte ich mir auch in Albträumen nicht ausdenken können und selbst alte „Goldhasen“, also langjährige Beobachter der Edelmetallmärkte, dürften einen Rücksetzer in diesem Ausmaß noch nicht erlebt haben.

Kurseinbrüche an den Edelmetallmärkten

Von Donnerstagabend vergangener Woche bis zum Montagabend hatten die Goldpreise in zwei Handelstagen rund ‑13,3 Prozent nachgegeben – der stärkste Zweitages-Rückgang seit 2013 und der zweitgrößte seit den 1980er Jahren. Und dabei hatten sich die Preise von ihren Tiefs am Montagmorgen bereits wieder ein Stück erholt. Auch Silber geriet massiv unter Druck: Die Preise erlitten einen historischen Zweitages-Kurs-Einbruch in Höhe von 31,5 Prozent. Diese Bewegung markiert den größten zweitägigen Verlust seit Beginn der täglichen Bloomberg-Daten-Aufzeichnungen im Jahr 1950.

Während in der Presse oft die Nominierung von Kevin Warsh als neuer Vorsitzender der US-Notenbank Fed durch US-Präsident Donald Trump als Auslöser für eine Erholung des US-Dollars genannt wurde – in seiner ersten Amtszeit in der Fed unter Ben Bernanke zeichnete sich Warsh als ein Anhänger restriktiverer Geldpolitik und höherer Leitzinsen aus – denke ich, dass zwei andere Gründe von größerer Bedeutung gewesen sein dürften:

Verkaufsdruck aufgrund Erhöhung der CME-Margins für Gold und Silber

Abgesehen davon, dass die Historie der Finanzmärkte lehrt, dass es meistens zu kurzen und teilweise heftigen Kursrücksetzern kommt, wenn die Kurse für einen Vermögensgegenstand ohne Korrektur in zu kurzer Zeit zu schnell steigen, rufen spektakuläre Kursrallyes oft auch die Börsenbetreiber auf den Plan: Am Wochenende hatte eine amerikanische Terminbörse angekündigt, höhere Sicherheitsleistungen für Edelmetalle zu verlangen. Diese Margins wurden für Gold von sechs auf acht Prozent angehoben, für Silber von elf auf 15 Prozent. Dies erhöht den Kapitalbedarf und sorgt oft dafür, dass kurzfristig orientierte, spekulativ orientierte Anleger ihre Position deshalb schließen – in dem aktuellen Fall also ihre Kaufpositionen schließen.

Der zweite wichtige Grund könnte in den Optionsmärkten liegen. Wo ein Käufer ist, da ist auch ein Verkäufer einer Option. Und das bedeutet für diesen vereinfacht gesagt, steigen die Preise für Gold, muss er es im Markt nachkaufen, fallen die Preise hingegen, muss er Gold verkaufen. Und fallen die Preise schnell und stark, bleibt oft nichts anderes übrigens, als ohne Rücksicht auf den aktuellen Preis zu verkaufen.  

Gold handelt zeitweise unter 5.000 US$ pro Unze

In Zahlen ausgedrückt: Notierten die Goldpreise am Donnerstagmorgen vergangener Woche noch in der Nähe des kurz zuvor bei 5.595 US$ pro Unze erzielten Rekordhochs, nämlich bei 5.515, rutschten sie quasi als erstes Warnsignal bereits am Donnerstagnachmittag auf 5.210. Nach einer Erholung auf 5.450 bis zum Freitagmorgen rauschten die Kurse zum Wochenschluss abwärts auf 4.895. Der Kurssturz setzte sich zum Handelsbeginn am Montagmorgen fort: Mit 4.403 wurde dann gegen 7.30 Uhr das Tagestief markiert, bevor bereits am Dienstag die Notierungen die Marke von 5.000 US$ je Unze wieder fast touchierten, und sich am heutigen Mittwoch weiter bis auf 5.090 erholten. Beim Schreiben dieser Zeilen um 14.30 Uhr wird Gold bei 5.050 US$ pro Unze gehandelt.

Xetra-Gold im Wochentief um 125 € je Gramm

Der Xetra-Gold-Preis setzte ebenfalls unter starken Schwankungen zurück: Während der üblichen Handelszeiten ging es von 148,75 € je Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen zunächst gleichtägig auf ein neues Rekordhoch bei 149,10. Zum Wochenschluss ging es bereits talwärts auf 134,50, am Montag wurde das bisherige Wochentief bei 125,00 markiert. Auch hier folgte eine Erholung auf 138,30 und aktuell (Mittwochnachmittag 14.30 Uhr) wird es bei rund 137 € je Gramm gehandelt.

Das Ende der Rally?

Im Großen und Ganzen dürften die Gründe, die Anleger dazu gebracht hatten, in Gold zu investieren, nicht über Nacht verschwinden (geopolitische Unsicherheiten sowie der Wunsch nach stärkerer Diversifizierung). Inwieweit Anleger jetzt erst einmal etwas vorsichtiger werden, was Goldkäufe anbelangt, dürften die nächsten Tage zeigen. Daten deuten darauf hin, dass viele Anleger den harten Kursrücksetzer als Kaufgelegenheit betrachtet haben, sei es physisch oder mittels ETCs. Die Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest übernächste Woche könnten kurzfristig einen spürbaren Rückgang der Nachfrage aus China zur Folge haben.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich starke Nerven und besseres Wetter. Terminbedingt kommt der nächste Marktkommentar dann in der übernächsten Woche.