In dieser Woche schlich sich häufiger ein Begriff in mein Unterbewusstsein hinein, der seit den grauen Vorzeiten des Latein-Unterrichts etwas verschüttet schien, nämlich „terra incognita“. Dies bedeutet „unbekanntes Land“ und bezeichnete Gebiete, die zu jener Zeit noch nicht kartiert oder beschrieben waren. Was damals für Karten galt, dürfte heute in ähnlicher Form auch für Kurscharts gelten. Bei den Edelmetallen wurden in den vergangenen Tagen neue Kurshochs ausgelotet, die vor wenigen Monaten für die meisten Marktakteure nicht einmal ansatzweise vorstellbar gewesen sein dürften.
Steigende Edelmetallpreise
Gold, Silber und Platin fügten der Reihe neuer Rekordhochs ein paar weitere hinzu, wobei am vergangenen Freitag zunächst Silber mit dem erstmaligen Sprung über die 100 US$ pro Unze-Marke auf ein breit gefächertes Medieninteresse stieß. Da wollten sich die Goldpreise anscheinend nicht lumpen lassen. Montagnacht übersprangen sie erstmals die Marke von 5.000 US$ pro Unze, nachdem sie sich knapp unterhalb dieses Niveaus aus der Vorwoche verabschiedet hatten. Dies war jedoch nicht das letzte Rekordhoch in dieser Woche, auch am Dienstag, am Mittwoch und am heutigen Donnerstagmorgen drangen die Notierungen weiter in unbekanntes Territorium vor.
Gold als strategische Beimischung weiter gefragt
Die Gründe bleiben die gleichen: Die geo- und handelspolitischen Unsicherheiten sorgen dafür, dass Anleger aktuell ihre Suche nach „sicheren Häfen“ intensivieren. Hinzu kommt in dieser Woche auch eine zwischenzeitlich kräftige Abwertung des US-Dollars auf das schwächste Niveau seit 2021. Im Großen und Ganzen dürften momentan viele Großanleger einen Teil ihrer Portfolios diversifizieren, wovon der Goldpreis weiterhin profitiert.
Notierten die Goldpreise am Donnerstagmorgen vergangener Woche noch bei 4.820 US$ je Unze, scheuten sie mit einem Schlusskurs von 4.990 noch gerade so den Sprung über die runde Marke von 5.000 US$ pro Unze. Wie bereits oben angedeutet sprangen die Preise am Montag zum Handelsstart dann direkt über diese Schwelle und verteidigten diese mit Ausnahme eines ganz kurzen Rücksetzers am Montagabend weiterhin. In den Folgetagen ging es immer weiter aufwärts, bis schließlich bei 5.595 erst einmal Schluss war bzw. zumindest eine Pause eingelegt wurde. Beim Schreiben dieser Zeilen wird Gold bei 5.515 US$ pro Unze gehandelt.
Kräftiger Schub für Xetra-Gold
Der Xetra-Gold-Preis betrat ebenfalls terra incognita: Während der üblichen Handelszeiten ging es von 132,75 € pro Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen auf 133,60 zum Wochenschluss. Nur geringfügig gedämpft durch den festeren Kurs des Euros legten auch die Preise für Xetra-Gold Tag für Tag weiter zu. Zum Handelsstart heute Morgen wurde das neue Rekordhoch bei 148,75 € je Gramm markiert.
Erstaunlich bleibt, dass es zuletzt so gut wie keine Gewinnmitnahmen zu geben schien, die beispielsweise bei Silber am Montag kurzfristig sehr kräftig ausfielen. Möglicherweise könnte es nun am Monatsende eine leichte Korrektur geben, aber im Großen und Ganzen scheint das Interesse der Anleger und Investoren an (Edel-)Metallen momentan weiter anzuhalten.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich gute Anlageentscheidungen und einen guten Start in den Februar.