Starke Nerven gefragt

Marktkommentar

Händler mit hohem Blutdruck müssen in diesen Tagen ganz tapfer sein. Insbesondere zu Beginn dieser Woche erreichte die Volatilität an den Finanzmärkten ungeahnte Ausmaße. Im Fokus bleiben weiterhin die geopolitischen Entwicklungen, die die Welt in Atem halten.

Anleger reduzieren Risiken: Wochenendtaktik sorgt für Nervosität

Momentan tendieren Anleger und Investoren dazu, ihre Positionen am Freitag etwas herunterzufahren, da man nie weiß, welch Nachrichtenfluss einen am Wochenende erwartet. Das dies durchaus sinnvoll sein kann, demonstrierte der vergangene Freitag: Nach Börsenschluss erläuterte US-Präsident Trump zunächst, dass die USA ihre Ziele im Nahost-Konflikt voraussichtlich zeitnah erreichen sollten, was an den Terminmärkten für Öl, die noch geöffnet waren, für einen soliden Kursrutsch der Ölpreise sorgte. Kurze Zeit später stellt Trump dem Iran jedoch ein Ultimatum, die Straße von Hormus innerhalb von 48 Stunden zu öffnen und drohte andernfalls Schläge gegenüber Irans Energieinfrastruktur an.

Massive Marktreaktionen: Ölpreise steigen zweistellig, Renditen ziehen an

Dies sorgte am Montagmorgen für einen kräftigen Anstieg der Ölpreise um mehr als 10 Prozent, massiv ansteigende Renditen der Staatsanleihen (zehnjährige Bundesanleihen notierten auf dem höchsten Niveau seit 15 Jahren, zweijährige US-Staatsanleihen über der Marke von 4,00 Prozent) und ein robustes Einpreisen von Leitzinserhöhungen der Notenbanken der großen Industrieländer. Dies hatte kurz nach Handelsbeginn in London einen „Ausverkauf“ an den Edelmetallmärkten zur Folge, der Gold auf das niedrigste Niveau seit Jahresbeginn schickte.

Entspannungssignale dämpfen Turbulenzen: Goldpreis erholt sich

Nachdem US-Präsident Trump dann am Mittag unserer Zeit via Social-Media-Post das Ultimatum auf fünf Tage verlängerte und zeitgleich von Gesprächen der USA mit iranischen Unterhändlern schrieb, beruhigten sich die Finanzmärkte wieder etwas und der Goldpreis erholte sich – dies aufgrund fallender Ölpreise und Renditen. Man sieht, die Lage bleibt unsicher, Chancen bzw. Risiken plötzlicher starker Kursbewegungen aufgrund einer veränderten Nachrichtenlage dürften noch eine Weile bestehen bleiben.

Gerüchte über Goldverkäufe der Notenbanken belasten das Edelmetall

Im Übrigen liefen zuletzt auch immer mal wieder Nachrichten über die Ticker, dass einige Notenbanken über Goldverkäufe nachdächten, um aus den Erlösen Liquidität in US-Dollar zu generieren. Genannt wurde u.a. Polen (eher unwahrscheinlich, da Polens Notenbank erst Anfang des Jahres angekündigt hatte, die Goldreserven zu erhöhen) und die Türkei (eher wahrscheinlich, da die Notenbank schon in der Vergangenheit den Goldbestand aktiv gehandelt hat).

Goldpreis im Sturz und in der Erholung: Extreme Schwankungen innerhalb weniger Tage

Dies belastete naheliegenderweise zusätzlich die Stimmung für die Goldpreise: Notierten diese am Donnerstagmorgen vergangener Woche bei 4.820 US$ je Unze fielen sie bis zum Wochenschluss auf exakt 4.500. Montagmorgen kam es zu dem oben erwähnten heftigen Verkaufsdruck, der erst bei 4.100 ein Ende fand. Nach Trumps Social-Media-Post mittags erholten sich die Notierungen zurück auf 4.500 und lugten gestern kurz über die Marke von 4.600. Beim Schreiben dieser Zeilen am Donnerstagmorgen wird Gold bei 4.440 US$ pro Unze gehandelt.

Xetra-Gold deutlich unter Druck: Starke Verluste und schnelle Gegenbewegung

Der Xetra-Gold-Preis ging ebenfalls nicht ganz ungeschoren aus den Ereignissen heraus: Während der üblichen Handelszeiten ging es von knapp 133,00 € pro Gramm zum Handelsauftakt am vergangenen Donnerstagmorgen auf etwa 127,50 zum Wochenschluss. Am Montag ging es rasant talwärts bis auf 117,20, bevor sich das gelbe Metall am Nachmittag auf 125 verteuerte. Gestern notierte es mit 127,05 in der Spitze noch etwas höher. Heute Morgen startet es gegen 8.00 Uhr bei rund 123,50 € pro Gramm in den Handelstag.

Ölpreise und Geopolitik bestimmen weiterhin die Marktbewegungen

Momentan entscheidet der Nachrichtenfluss hinsichtlich der Lage im Nahen Osten zunächst über die Höhe der Ölpreise, was anschließend nahezu jede andere Kursbewegung – auch der Goldpreise – determiniert. In der kommenden Woche stehen zusätzlich das Quartalsende und die US-Arbeitsmarktdaten im Fokus.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein entspanntes, erholsames Wochenende.