Geopolitik als Kurstreiber

Marktkommentar

Normalerweise stehen in der ersten Woche eines neuen Monats meist die US-Konjunkturdaten im Fokus. Schließlich gibt es dann, sofern nichts dazwischenkommt - wie kürzlich der Shutdown der Ämter und Behörden in den USA – Konjunkturdaten aus den USA und hier insbesondere Frühindikatoren und Arbeitsmarktdaten auf der Agenda. In dieser ersten Märzwoche ist jedoch alles anders – marktbewegend ist nahezu ausschließlich der Nachrichtenfluss, der über die Entwicklungen im Nahen Osten über die Ticker läuft.

Goldpreis reagiert früh auf geopolitische Spannungen

Am Freitag vergangener Woche legte der Goldpreis bereits spürbar zu, da einige Marktakteure sich im Vorfeld des Wochenendes und in Erwartung einer möglichen Eskalation des Konflikts im Nahen Osten vorsichtiger positionieren wollten und somit „sichere Häfen“ ansteuerten. Mit den dann stattgefundenen tatsächlichen Ereignissen am Wochenende legten die Goldpreise am Montag auf den höchsten Stand seit dem Rekordhoch Ende Januar zu, bevor es am Dienstag zu einem merklichen Rücksetzer kam.

Gewinnmitnahmen und Liquiditätsbedarf belasten die Märkte

Die Gründe für jenen dürften primär sein, dass einige Marktakteure Positionen schließen mussten, um Verluste an anderen Marktsegmenten auszugleichen, oder um ihre liquiden Mittel zu erhöhen und damit Nachschussverpflichtungen an Terminmärkten nachkommen zu können. Dies gelingt am robustesten bei Positionen, die deutlich in der Gewinnzone sind, was an den Aktienmärkten primär den Leitindizes in Südkorea und Japan Kursrückschläge bescherte und an den Rohstoffmärkten den Edelmetallen.

Starker US-Dollar und steigende Anleiherenditen bremsen Gold

Der deutliche Kursgewinn des US-Dollars gegenüber nahezu sämtlichen anderen Währungen sowie die spürbar angestiegenen Renditen der Staatsanleihen rund um den Globus bremsten die Goldpreise ebenso aus wie das Auspreisen möglicher Zinssenkungen der Notenbanken aufgrund der unsicheren Lage an den Finanzmärkten. Waren am Freitag beispielsweise noch 0,10 Prozentpunkte an Zinssenkungen der EZB für 2026 eingepreist, drehten die Marktakteure an den Terminmärkten ihre Meinung um 180 Grad und preisten aufgrund der Inflationsgefahren durch die steigenden Preise für Erdöl und Erdgas nun Zinserhöhungen über 0,10 Prozentpunkte bis zum Jahresende ein.

Unsichere Gesamtlage sorgt für hohe Volatilität

Die Gesamtlage bleibt unübersichtlich und volatil. Jedwede Nachricht hinsichtlich des Nahost-Konfliktes kann spürbare Kursverluste oder -gewinne zur Folge haben. Insbesondere die Sperrung der Straße von Hormus, welche die Erdöl- und Erdgasversorgung Asiens erschwert, bleibt weiterhin ein Großthema an den Märkten.

Goldpreisentwicklung der vergangenen Tage

Notierten die Goldpreise am Donnerstagmorgen vergangener Woche bei 5.185 US$ je Unze stiegen sie zum Wochenschluss auf 5.280 und am Montagmorgen dann recht schnell auf 5.419 an. Am Dienstag kam es zu dem erwähnten Rückschlag, der erst am Nachmittag bei rund 4.997 ein Ende fand. Gestern Morgen lugten die Notierungen mit 5.206 US$ pro Unze kurz über die Marke von 5.200. Sie gaben aber im Tagesverlauf wieder etwas nach. Beim Schreiben dieser Zeilen am Donnerstagmorgen wird Gold bei 5.165 US$ je Unze gehandelt.

Xetra-Gold profitiert von Euro-Schwäche

Der Xetra-Gold-Preis wurde durch die Abwertung des Euros zum US-Dollar moderat gestützt: Während der üblichen Handelszeiten ging es von 141,10 € pro Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen aufwärts bis auf 142.40 zum Wochenschluss bzw. bis auf 148,85 zum Handelsstart am Montagmorgen. Auch hier ging es am Dienstag stramm talwärts auf das bisherige Wochentief bei 139,25 am Dienstagnachmittag, bevor es wieder retour auf 143,70 am Mittwochmorgen anstieg. Aktuell wird es bei rund 143,00 € pro Gramm gehandelt.

Blick auf US-Arbeitsmarktdaten  

Zurzeit dürfte nahezu jedwede Marktbewegung primär durch die Entwicklung der Lage im Nahen Osten bestimmt werden. Dennoch dürfte es sich lohnen, am morgigen Freitag auch einmal einen Blick auf die US-Arbeitsmarktdaten zu werfen.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein trotz der unsicheren Weltlage sonniges Vor-Frühlingswochenende mit der Gelegenheit, etwas Vitamin D zu tanken.