Lange Zeit handelte der Goldpreis in den vergangenen Tagen seitwärts um die Marke von 5.000 US-Dollar/Unze herum, mal darüber, mal darunter. Der gestrige Tag zeigte dann recht eindeutig auf, was der Haupttreiber für die Entwicklung der Goldpreise momentan ist. Der deutliche Anstieg der Ölpreise hatte nämlich einen spürbaren Rückgang der Notierungen des gelben Edelmetalls zur Folge.
Wie Ölpreise, Inflation und Zinsen den Goldmarkt beeinflussen
Die Kausalkette ist dabei folgendermaßen: Ein weiterer und nachhaltiger Anstieg der Preise für Energierohstoffe dürfte steigende Inflationserwartungen und Inflationsraten zur Folge haben. Dies wiederum dürfte die Notenbanken dazu veranlassen, die Leitzinsen zu erhöhen. Und auch die Renditen der Staatsanleihen könnten weiter ansteigen. Der US-Dollar könnte daraufhin von steigenden Renditen der US-Anleihen weiteren Rückenwind erhalten.
Marktreaktionen: Zinserwartungen verschieben sich deutlich
Genau dieses Szenario wird zusehends an den Märkten eingepreist. Nach der gestrigen Sitzung der US-Notenbank Fed wurde an den Zinsterminmärkten eine weitere mögliche Zinssenkung erst komplett für den Sommer 2027 eingepreist – vor kurzem hatten die Marktakteure noch mit zwei Leitzinsschritten südwärts in diesem Jahr gerechnet. Der Vorsitzende der Fed, Jerome Powell, hatte deutlich gemacht, dass Zinssenkungen erst dann möglich wären, wenn sich die Inflation der Zielmarke bei 2,0 Prozent annähern wird. Noch signifikanter haben sich die Erwartungen an die EZB verändert. Gestern Abend wurde zwei Leitzinserhöhungen zu je 0,25 Prozentpunkten bis Ende dieses Jahres an den Terminmärkten eingepreist – noch im Februar war eher eine weitere Zinssenkung erwartet worden.
Goldpreis fällt deutlich: Aktuelle Kursentwicklung im Überblick
Dies alles blies den Goldpreisen eine stramme Brise ins Gesicht: Notierten diese am Donnerstagmorgen vergangener Woche bei 5.165 US$ je Unze fielen sie bis zum Wochenschluss auf rund 5.020. Nachdem sie bis gestern Vormittag von der Marke von 5.000 US$ pro Unze magisch angezogen schienen, ging es dann infolge der stark steigenden Ölpreise und dem robusten Anstieg der Renditen kräftig abwärts, und zwar bis auf 4.805. Beim Schreiben dieser Zeilen am Donnerstagmorgen wird Gold bei 4.820 US$ pro Unze gehandelt.
Xetra-Gold unter Druck
Der Xetra-Gold-Preis geriet ebenfalls unter Druck: Während der üblichen Handelszeiten ging es von 143,80 € pro Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen bzw. 144,45 am Donnerstagnachmittag bis zum Wochenschluss abwärts auf 141,65. Am Montag und Dienstag bewegten sich die Notierungen meist seitwärts um die 140 herum, bevor es gestern talwärts bis auf 135,20 € pro Gramm ging. Heute Morgen startet es gegen 7.30 Uhr noch etwas tiefer bei rund 135 € pro Gramm in den Handelstag.
Ausblick: Ölpreise, Nahost-Konflikt und Notenbanksitzungen im Fokus
Weiterhin entscheiden die Entwicklung der Lage im Nahen Osten und die Ölpreise, wohin die Reise beim Gold geht. Heute gibt es aber auch noch eine Reihe spannender Notenbanksitzungen, auf die viele Marktakteure blicken werden, um zu analysieren, ob die zunehmend eingepreisten möglichen Zinserhöhungen allmählich auch von den Notenbanken diskutiert werden.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein ruhiges Wochenende ohne negative Nachrichten.