Die Zahl des Monats: das Jahr 1969

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Ein entlaufener Hund war schuld: Als sein Herrchen, ein kolumbianischer Bauer, im Jahr 1969 das verschwundene Tier suchte, stieß er auf den bis heute einzigen physischen Beleg dafür, dass das sagenumwobene Eldorado tatsächlich mehr als ein Mythos ist. In einer Höhle bei Bogotá fand er eine kleine, lediglich 18 Zentimeter lange Plastik eines Floßes, auf dem sich Menschen befinden – allesamt aus 80 Prozent purem Gold mit einer Beimischung von Silber und Kupfer. Das sogenannte „Goldfloß von Eldorado“ gilt als möglicher Beweis für die Existenz des sagenhaften Goldlandes. 

Die Legende basiert auf indigenen Bräuchen in Kolumbien

Auf dem Goldfloß sind zwölf goldene Figuren platziert, von denen eine alle anderen überragt: Sie sitzt auf einem ebenfalls goldenen Thron. Die Szenerie beschreibt das Krönungsritual eines neuen Häuptlings der Muisca, einem indigenen Volk, das in der Nähe der heutigen Stadt Bogotá in den östlichen Anden Kolumbiens lebte. Zur Krönungszeremonie gehörte, dass der neue Herrscher mit einer Paste aus Goldstaub überzogen wurde, die später als Opfer für den Sonnengott im Guatavita-Bergsee abgewaschen wurde. Auch weiteres Gold und Edelsteine wurden als Gabe im See versenkt.

Aus einem Mann spann die Legende eine Goldstadt und ein ganzes Goldland

Dieses Ritual wurde schon lange nicht mehr ausgeführt, als im 16. Jahrhundert die spanischen Konquistadoren in das Land einfielen. Trotzdem beflügelten die Berichte über die Krönungszeremonie der Muisca die Fantasie der skrupellosen Eroberer und verselbstständigten sich immer weiter. Wurde zunächst nach den Reichtümern des vergoldeten Herrschers gesucht, machte bald die Legende einer kompletten goldenen Stadt unter den spanischen Glücksrittern die Runde. Schließlich war sogar von einem Goldland die Rede, dessen wertvolle Überbleibsel irgendwo verborgen im heutigen Kolumbien liegen mussten. Zahllose Expeditionen wurden ohne greifbare Ergebnisse unternommen. Den größten Erfolg stellte die Lokalisierung des Guatavita-Sees dar, in dem die goldenen Opfergaben für den Sonnengott der Legende nach versenkt wurden. Bei der teilweisen Trockenlegung des Bergsees wurden tatsächlich Hunderte von Goldstücken geborgen. Der ganz großen Schatz – geschweige denn ein ganzes Goldland – wurde jedoch nie gefunden.

Arnulf Hinkel
Finanzjournalist