2021 mit Licht und Schatten

Marktkommentar Michael Blumenroth – 29.12.2021

Wöchentlicher Marktbericht

Zwar wird bis zum Silvesterabend weiter an den US-Börsen gehandelt, es sei jedoch erlaubt, schon zwei Tage vorher, nämlich am heutigen Mittwoch, ein Fazit des bald abgelaufenen Jahres zu ziehen.
In US-Dollar betrachtet bewegten sich die Goldpreise insbesondere in der ersten Jahreshälfte stark, während sie in der zweiten Hälfte trotz einiger Aufs und Abs schlussendlich meist immer wieder zu der Marke von 1.800 US$ pro Unze zurückkehrten. Die Jahreshöchst- und -tiefststände wurden demzufolge mit rund 1.960 US$ pro Unze am 6. Januar und rund 1.677 am 8. März bereits im ersten Quartal erzielt. Nur noch kurz lugten die Goldpreise in den kommenden Monaten über die Marke von 1.900 bzw. unter 1.700 US$ pro Unze.

Seit Beginn des Jahres haben die Goldpreise somit – trotz Inflationsraten, die in vielen großen Ländern auf Mehr-Dekaden-Hochs sprangen – knapp fünf Prozent nachgegeben. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Einflussfaktor Zinsentwicklung

Zunächst handeln Börsen die Zukunft. Den starken Anstieg der Inflation hatten die Märkte im vergangenen Jahr bereits „vorweggenommen“. Im laufenden Jahr wurde hingegen das Ende der extrem expansiven Geldpolitik vieler Notenbanken eingepreist. Erste Leitzinserhöhungen gab es bereits in Großbritannien, Norwegen, Neuseeland und vielen Schwellenländern. Die US-Notenbank hat für 2022 kürzlich drei Zinsschritte aufwärts projiziert. Aufgrund der Zinserwartungen stiegen verglichen mit Beginn dieses Jahres auch die Marktzinsen für Anleihen an, was die Goldpreise im Zaum hielt.

Mit dem Einpreisen erster Zinserhöhungen in den USA wertete auch der US-Dollar verglichen mit seinem Außenwert zu Beginn des Jahres deutlich auf, so dass der Erwerb von Gold in vielen anderen Währungen teurer wurde (auch in Euro, worauf wir gleich noch einmal kommen werden).

Anfang 2021 setzten viele Anleger auf Aktien

Mit fortschreitenden Impfkampagnen gegen Covid-19 wuchs die Risikobereitschaft der Investoren. In den sechs Monaten nach dem 9. November 2020, als erste Meldungen über einen validen Impfstoff gegen Covid-19 über die Ticker liefen, flossen den weltweiten Aktienfonds größere Beträge zu als in den gesamten vorangegangenen zwölf Jahren. Insbesondere in den USA schichteten Großanleger hohe Beträge aus zu Absicherungszwecken erworbenen Gold-ETFs an die Aktienmärkte um. Kein Wunder, schließlich legte der S&P500-Index in den USA seit Jahresbeginn mehr als 25 Prozent zu. Gold war hingegen immer dann gefragt, wenn vorübergehend Risikoaversion das Motto der Stunde war – so zum Beispiel bei den ersten Berichten über die Omikron-Variante des Covid-19-Virus.

Xetra-Gold im November auf Jahreshöchststand

In Euro betrachtet sieht die Bilanz etwas besser aus. Im Vergleich zum ersten Kurs im Januar legte Gold gegen Euro rund zwei Prozent zu. Blickt man auf den Xetra-Gold-Kurs während der üblichen Handelszeiten, dann wurde auch hier Anfang März der Jahrestiefstkurs bei 45,35 € pro Gramm erzielt, der höchste Kurs jedoch erst am 19. November mit knapp 53,20 €/Gramm. Hier macht sich die Abwertung des Euro zum US-Dollar bemerkbar.

Was erwartet uns im Jahr 2022?

Viele Analysten erwarten wegen der vermuteten Leitzinserhöhungen eher schwächere Goldpreise unter oder um 1.700 US$ je Unze. Allerdings denke ich, dass diese Erhöhungen ja momentan schon an den Märkten eingepreist und antizipiert sind. Notenbanken wie die EZB betrachten zudem die Inflation laut offiziellen Verlautbarungen immer noch als „vorübergehend“ und reagieren bis dato nicht. Die Mehrheit der Auguren prognostizieren für 2022 niedrigere Inflationsraten als in diesem Jahr. Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist auch groß, allerdings dürften sich die Lieferkettenprobleme (zum Beispiel bei der Chipindustrie, etc.) so schnell nicht in Luft auflösen, was weitere Angebotsverknappungen in vielen Bereichen zur Folge haben und wiederum die Inflationsraten auf ungewohnt hohem Niveau halten könnte. Aufgrund von Unsicherheiten rund um die Zwischenwahlen in den USA Anfang November und hinsichtlich der Corona-Pandemie könnte Gold weiterhin als „sicherer Hafen“ gefragt bleiben. Die Preise müssen im kommenden Jahr also nicht zwangsläufig nachgeben. Insbesondere dann, wenn die Mehrheit der Marktteilnehmer nachgebende Preise erwartet, ist sie auch bereits dementsprechend positioniert, was wiederum die Goldpreise mittelfristig stützen könnte. Prognosen sind halt schwer, da sie nun einmal die Zukunft betreffen…

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern einen guten Start in das neue Jahr.

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